tigkeit ihres Gatten ertrug, die ſanfte Bered⸗ ſamkeit, mit der ſie ſtets bemüht geweſen war, dem Herzen ihres Sohnes jene göttlichen Lehren einzuprägen, von deren Erhabenheit ſie tief, tief durchdrungen war, und nach denen ſie unabläſſig handelte, ihre nachſichtsvolle Rückſicht gegen die aus dem feurigen Temperament des Sohnes ent⸗ ſpringenden Fehler; dieß alles hatte ſie in der Liebe und in der Achtung Osmond's ſo feſt ge⸗ ſtellt, daß er ſie faſt wie eine Heilige verehrte.
Deemnaͤchſt war ſeine ganze brüderliche Liebe der Lady Mary gewidmet, die er das Seiten⸗ ſtück zu ſeiner theuern Mutter zu nennen pflegte. Vier Jahre älter als er, war ſie ſeine Freundin und Rathgeberin, und nicht ſelten ſeine Beſchü⸗ zerin, wenn er als Knabe irgend eine leichtfer⸗ tige Thorheit verübt hatte.
Obgleich ihr auf's Innigſte zugethan, hatte ſei⸗ ne Bruſt für ſie dennoch ein etwas anders als brü⸗ derliche Liebe empfunden, und auch ſie hatte nur als Schweſter für ihn gefühlt, als er, im achtzehnten
Osmond. I. Band. 2


