— 11—
Die Erinnerung an die gekränkte Caroline machte in Osmonds Seele bald weniger bitte⸗ ren Gefühlen Platz; das augenſcheinliche Über⸗ gewicht der Lady Mary, nicht nur in Rückſicht des Ranges, ſondern auch hinſichtlich ihres Ver⸗ ſtandes und ihrer Geiſtesbildung, ſchwebte ſei⸗ ner Phantaſie raſtlos vor und bildete einen auffallenden Contraſt zum Nachtheil des ein⸗ fachen Mädchens, dem er ſich ſo lange mit un⸗ endlicher Liebe hingegeben hatte.
Sein Bemühen indeß, dieſer nur mit Gleich⸗ gültigkeit zu gedenken, blieb fruchtlos, und als ſeine Mutter ihm über ſein Benehmen gegen Lady Mary Vorſtellungen machte, fühlte er nur zu gut, daß er die unglückliche Caroline noch allzuſehr liebe, um ſich unauflöslich an eine Andere zu binden.
Aber Lady Mary war ihm ungemein theuer, und der Gedanke, daß er ihren Frieden getrüͤbt habe, ließ ihn ernſthaft an die Möglichkeit denken, ihr den einzigen Erſatz darzubieten, den ihr zu gewähren in ſeiner Macht ſtand.


