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abgeſchliffen, und er betrachtete daher ſein Verbrechen mit jener aufrichtigen Reue, die ein gefühlvolles Herz bei dem erſten Fehltritt empfin⸗ den muß. Die Natur ſcheint uns in der That vor dem erſten Angriff des Laſters in Schutz zu nehmen, wir ſchaudern bei ſeiner Annähe⸗ rung— wir zittern, und von ihm, wenn auch nur leichthin berührt, beben wir zurück und be⸗ reuen. Wer hat je dieſe geheimnißvolle, hei⸗ lige Warnung verachtet und nicht ſeinen Leicht⸗ ſinn beweint? Kein Sterblicher! Dieſer un⸗ widerlegbare Beweis, daß etwas Reines und Göttliches in uns wohnt, kann nicht ungeſtraft geleugnet werden; ohne Zweifel iſt es die Stimme eines zaͤrtlichen Vaters, bereit, das Geſchöpf, welches er ſchuf, vom Uutergange zu retten und ihm zu erkennen zu geben, daß ſein Auge Al⸗ les ſchauet.— Aber ſelbſt die beſten Gefühle des Menſchen ſind nur vorübergehend, wenn ſie nicht von der Religion geleitet werden. Die Welt mit ihren verführenden Lockungen iſt ſtets bereit, die Vernunft zu bekämpfen.


