— 209—
„Dankt Gott, raſcher junger Mann! der eure Hand rein vom Blutvergießen erhielt,“ verſetzte der Geiſtliche;„die Rache iſt mein, ich will vergelten, ſpricht der Herr!— Beſſer waͤr' es, daran zu denken, ſie aus dem Netze des Elenden zu befreien.“
„Solche werden in der Heraldik laquae amoris oder lacs d'amour genannt,“ ſagte Meiſter Mumblaze.
„Das iſt es, wozu ich euren Beiſtand in Anſpruch nehme, meine Freunde!“ entgegnete Treſſilian;„ich bin entſchloſſen, den Nichtswuͤrdigen vor dem Throne, des Be⸗ trugs, der Verführung, des Bruchs der Geſetze der Gaſt⸗ freiheit anzuklagen. Die Koͤnigin ſoll mich hoͤren, ſiaͤnde ſelbſt der Graf von Leireſter, der Beſchuͤtzer des Elenden, zu ihrer Rechten.“
Unſere koͤnigliche Majeſtaͤt,“ ſagte der Pfarrer,„hat ihren Unterthanen ein ſo treffliches Beiſpiel von Enthaltſamkeit gegeben, und wird ohne Zweifel Euch Gerechtigkeit gegen jenen ſchaͤndlichen Raͤuber widerfahren laſſen. Wuͤrdet Ihr aber nicht beſſer thun, Euch zuvor an den Grafen von Leiceſter zu wenden, um deſſen Schutz gegen ſeinen Diener in Anſpruch zu nehmen. Giebt er Euch Gehoͤr, ſo entgeht Ihr der Gefahr, Euch einen maͤchtigen Feind zu machen, welches ohnfehlbar der Fall ſeyn wuͤrde, wenn Ihr ſeinen Stallmeiſter und Guͤnſtling Vleich in erſter Inſtanz bei der Koͤnigin verklagt.“
„Mein Gefuͤhl empoͤrt ſich gegen euren Raty,“ ent⸗ gegnete Treſſilian.„Ich kann mich nicht entſchließen, die Sache meines edlen Wohlthaͤters— die Sache der ungluͤck⸗ lichen Emmy— vor irgend einem andern Richter zu fuͤh⸗ ren, als vor meiner erhabenen Monarchin. Leiceſter, werdet Ihr ſagen, iſt von hohem Anſehen— mag ſeyn— allein
Kenilworth. 1. Bd. O
—


