— 62—
„Daran ſoll es nicht fehlen, wenn mir Klinge und
Griff treu bleiben,“ erwiederte Varney, und indem er ſein Schwerdt mit der Rechten zog, und den Mantel uͤber ſeinen
linken Arm ſchlug, griff er Treſſilian mit einer Kraft an, welche ihm einen Augenblick lang den Vortheil des Kam⸗ pfes zuzuſichern ſchien. Treſſilian verband mit einem nach Rache duͤrſtenden Muth, Hand und Auge, vorzuͤglich geſchickt
zum Gebrauch des Rapiers, ſo daß Varney, der bald ſeiner⸗
ſeits hart ins Gedraͤnge kam, ſich bemuͤhte, von ſeiner groͤßeren Koͤrperſtaͤrke Nutzen zu ziehen, und ſeinem Gegner nahe zu kommen. Zu dieſem Endzweck fing er einen von
Treſſilians Streichen in ſeinem Mantel auf, den er uͤber
den linken Arm geſchlagen hatte, und bevor ſein Gegner
die verwickelte Waffe wieder zuruͤckzuziehen vermochte, drang
er auf ihn ein, bereit, ihn mit ſeinem Schwerdte zu durch⸗ ſtoßen. Aber Treſſilian war auf ſeiner Hut; raſch zog er
ſeinen Dolch hervor, parirte mit der Klinge den Stoß, der ſonſt dem Gefecht ein Ende gemacht haben wuͤrde, und zeigte nun in dem Kampfe, der folgte, eine Gewandtheit, welche die Meinung zu beſtaͤtigen ſchien, daß er aus Corn⸗
wallis ſtamme, deſſen Eingeborne ſo ſehr Meiſter im Fauſt⸗ kampf ſind, daß, wenn die Spiele der Vorzeit wieder auf⸗ leben wuͤrden, ſie dreiſt ganz Europa in die Schranken for⸗ dern köͤnnten. Varney ward in ſeinem ſchlecht berechneten
Angriffe durch einen Stoß dergeſtalt zu Boden geworfen,
daß ſein Schwerdt mehrere Schritte von ihm weggeſchleudert
wurde, und bevor er wieder auf die Beine kommen konnte, hatte ſein Gegner ſeine Waffe ihm an die Gurgel geſetzt.
„Gieb mir augenblicklich die Mittel, das ungluͤckliche
Oofer deiner Verraͤtherei zu befreien,“ rief Treſſilian,„oder
du haſt Gottes Sonne zum letztenmal ſcheinen geſehen.“


