— 50— er durch die Allee, welche zum Gallerie⸗Thurm führte, näher und näher kam.„Sie kommt, ſie kommt, auf⸗ gepaßt, feſt geſtanden!“ ſo lief es durch die Reihen der hier an beiden Seiten aufgeſtellten Diener des Grafen von Leiceſter.— Und heran kam der Zug von zweihun⸗ dert helllodernden Wachsfackeln,(in den Händen einer gleichen Zahl reitender Fackelträger erleuchtet) welche eine Tageshelle über die ganze Proceſſion, vor Allem, aber über die Centralgruppe verbreiteten, von welcher die Königin, im höchſten Glanze gekleidet, und von 4 Juwelen ſtrahlend, als Hauptfigur erſchien. Sie ritt auf einem milchweißen Roſſe, welches ſie mit ungemei⸗ ner Grazie und Geſchicklichkeit regierte.
Die Hofdamen, welche neben der Monarchin ritten, hatten Sorge getragen, nicht glänzender zu erſcheinen, b als es ihrem Range zuſtand, damit die königliche Sonne auf keine Weiſe verdunkelt würde. Aber ihre natürli⸗ chen Reize, von der Pracht gehoben, welche ſie bei al⸗ ler Beſcheidenheit, der Feier des Tages gemäß, anzule⸗
gen genöthiget waren, ließen in ihnen die herrlichſte
Blüthe eines Hofes erblicken, gleich berühmt wegen ſeines Glanzes, als wegen ſeiner Schönheiten. Die Pracht der Hofcavaliere aber, nicht durch jene Rückſich⸗ ten beſchränkt, ſtrahlte in vollſter, ungebundendſter Herrlichkeit. 3 1 Leiceſter, ganz mit Gold und Juwelen bedeckt, ritt zu Eliſabeths rechter Hand, ſowol in der Eigenſchaft als Wirth vom Hauſe,) als in der ihres Stallmeiſters. Sein rabenſchwarzer Hengſt hatte kein weißes Härchen am ganzen Körper, und war, als eins der trefflichſten Pferde in Europa, von dem Grafen für eine ungeheure Summe zu dieſem königlichen Feſte erkauft. Als da


