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Erzählungen, Mährchen, Sagen und Schwänke / von Georg Lotz
Entstehung
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Abendwind durch die Ruinen fluͤſternd, die nußbrau⸗ nen Locken, die ſeine Wangen und ſeinen Nacken umſpielten, ſanft bewegten, zitterten Thraͤnen in ſei⸗ nen Augen, und er hoͤrte auf zu ſingen, waͤhrend er mit der geſpannteſten Aufmerkſamkeit den Greis betrachtete, welcher, als der Abendwind klagend ne⸗ ben ihm hinfaͤuſelte, ſich in großer Gemuͤthsbewe⸗ gung von ſeinem Sitze erhob, noch kraͤftiger in die Saiten griff und zu ihren feierlichen Toͤnen folgende einfache aber ruͤhrende Zeilen ſang:

Hauch! o Weſt doch nicht wie Trauerboten

Deine Seufzer auf die Graͤber her,

Gluͤcklich, uͤbergluͤcklich ſind die Todten Denn kein Erdenleiden druͤckt ſie mehr. Ihre Ruh' kann keine Sorge truͤben,

Ach wie ſehr beneid' ich ihr Geſchick! Denn von allen meinen Theuren, Lieben, Blieb mir nur ein einziger zuruͤck.

So ſehr Eduard auch ſchon von dem bloßen An blick des ehrwuͤrdigen Harfners und deſſen anmuths⸗ vollen jugendlichen Gefaͤhrten uͤberraſcht worden war, erſtaunte er jetzt noch mehr, ob des Meiſterſpiels und des herrlichen Geſanges des Greiſes. Sehn⸗

ſuchtsvoll verlangte ihn danach deſſen naͤhere Be⸗

kanntſchaft zu machen; und kaum hatte jetzt der Saͤnger geendet, als er auch ſofort hinter dem ihn verbergenden Pfeiler hervortrat und auf die Frem⸗

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