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Emilie, oder So liebt ein deutsches Herz
Entstehung
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haͤuslichen Kreiſe herbeigefuͤhrt. Meine Tante iſt wohl, regſam, ſorglich, wie immer; mein Vetter Eduard noch derſelbe muntere Knabe, der er war; unſre Zeit fließt noch

wie ſonſt in heitrer Stille dahin nur mit

meiner kleinen Perſoͤnlichkeit iſt einige Ver⸗ aͤnderung vorgegangen: ich habe eine neue, hoͤchſt intereſſante Bekanntſchaft gemacht. Hebe immer den Finger drohend in die

Hoͤhe, liebe Adelheid, du triffſt mich nicht!

Es iſt kein Juͤngling, der mein achtzehnjaͤh⸗ riges Herz aus ſeiner gluͤcklichen Freiheit verſcheuchen will, es iſt ein weibliches We⸗

ſen. Hoͤre, wie es gekommen.

An einem der letzten Tage des Mai's

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war ich, wie gewoͤhnlich, in unſrem Go ten vor dem Thore; der Fruͤhling un

mit liebendem Arme ſeine erwachte Erde und

ſanfte Luͤfte ſchuͤttelten den Bluͤthenregen der Baͤume auf mich herab; die Kaͤfer ſummten in frohem Gewimmel, die Voͤgel feierten in tauſendfachen Harmonien die Ruͤck⸗ kehr in das Heimathland. Da, Du weißt, daß mir in der Freude Alles zu eng wird,