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Er ſah ſeiner Frau nach, als ſie mit dem Lichte die Treppe hinaufging. Es war ein immer neues, ſchönes Bild für ihn, ähnlich einem Gemälde Gherardho's della Notte. Als er ihr folgte, ſtand er ſtill, um nach den Sternen zu ſehen. Vor der Schönheit des Himmels flutete ſeine Seele über.
„Wie unpergleichlich,“ rief er aus,„wie unvergleich⸗ lich und allmächtig iſt das Schweigen der Nacht! Und doch ſcheint die Stille faſt vernehmbar! Aus all den un⸗ ermeßlichen Tiefen der Luft um uns ſteigt ein halblauter Klang, ein halblautes Geflüſter empor, als könnten wir das Zugrundegehen der Erde und aller erſchaffenen Dinge ver⸗ nehmen— das immer von Neuem beginnende und niemals endende Sterben und Geborenwerden— den allmähligen Fall und das Rinnen des Sandes im großen Stundenglaſe der Zeit.
In der Nacht hatte Herr Churchill einen wunderbaren Traum. Er ſah ſich in der Schule, wo er Lateiniſch lehrte. Plötzlich fingen alle Genitive der erſten Deklination an, ihm Geſichter zu ſchneiden, und unmäßig zu lachen; als er
5 ſie greifen wollte, ſprangen ſie in den Ablativ hinab, — und der Cirkumflex nahm die Geſtalt eines großen Schnurr⸗ barts an. Dann wurde die kleine Dorfſchule in die große Weltſchule verwandelt, die ſich Bank für Bank durch alle . Geſchlechter der Zukunft erſtreckte; auf allen Bänken ſaßen junge und alte Männer, die ſeinen im Traume fertigen Roman laſen und abſchrieben. Sie reichten ihn lächelnd einer dem Andern weiter, bis endlich die Uhr im Winke mit ſeltſam zornigem Geknarr Zwölf ſchlug, und die Schule aufbrach. Der Schulmeiſter erwachte, und ſah, daß dieſe Viſion des Ruhmes nur ein Traum geweſen war, aus welchem ihn ſeine Weckeruhr zu ungewohnter Stunde ge⸗
ſtört hatte.—
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