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Meer der Dunkelheit verſank. Er ging an einem Obſt⸗ garten vorbei. Die Luft war von dem Dufte der herab⸗ gefallenen Früchte erfüllt, welcher ihm ſo ſüß erſchien, wie Blüthenduft im Juni. Einige Schritte weiter brachten ihn zu einem alten, vernachläſſigten Kirchhofe; er ſtand einen Augenblick ſtill, um einen weiß erglänzenden Stein zu be⸗ trachten, unter welchem der alte Geiſtliche ſchlummerte, der zur Zeit der indiſchen Kriege in das Dorf kam, und von dem berichtet wurde, daß er ein halbes Jahrhundert lang „ein mühſeliger und beladener Prediger des Wortes“ ge⸗ weſen war. Er betrat die Dorfſtraße, und wechſelte einige Worte mit Herrn Pendexter, dem ehrwürdigen Geiſtlichen, der vor ſeiner Thüre ſtand. Dann begegnete er einem bös⸗ ausſehenden Manne, der ſo viele alte Stiefeln ſchleppte, daß er buchſtäblich unter ihrer Laſt begraben zu ſein ſchien. Auch kam ihm ab und zu ein Strom beißenden Taback⸗ rauches aus der Pfeife eines iriſchen Bauers entgegen, welcher ringsumher die feuchte Abendluft durchdrang. So erreichte er endlich ſeine Hausthür.
2.
Als Herr Churchill ſein Studirzimmer betrat, war die Lampe bereits angezündet, und ſeine Frau erwartete ihn. Das Holzfeuer auf dem Heerde ſang wie eine Grille in der ſtillen Sommerſchwüle, und ſeinem Herzen wurde der froſtige Herbſtabend zu einem Sommertage. Sein Weib ſah ihn aus ihren muntern, blauen Augen liebevoll an, und in dem heitern Ausdruck ihres Antlitzes las er die göttliche Verheißung:„Selig ſind, die reinen Herzens ſind.“
Kaum hatte er ſich am Kamin niedergelaſſen, als die Thür weit aufgeriſſen wurde, und mit geſpreizten Beinen, gleich einem Miniaturkoloſſe, ein lieblicher, goldner Knabe von ungefähr drei Jahren, mit langen, lichten Locken und rothen Wangen auf der Schwelle ſtand. Nach einer kurzen Pauſe ſtürmte er lärmend ins Zimmer hinein, und ließ ſich


