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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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ſtellte ſie ſich gleichgültig, und wagte ſogar, zu äußern, es könne vielleicht im Leben nicht ſo klug und gewandt ſeyn, wer ſich im Spiele ſo geſchickt und verſtändig zeige. Der dreiſte Zweifel ward nicht gut aufgenommen, und zuverſichtlich behaup⸗ tet, es ſey noch nie ein guter Schachſpieler, ſeit dem indiſchen Weiſen, der das Spiel erfunden, ein Pinſel im Leben geweſen. Reinau wurde dar⸗ auf noch wärmer in ſeinem Lobe, und theilte alles mit, was er ſeit der erſten Bekanntſchaft mit Thor⸗ wald auf eingezogene Erkundigung Rühmliches von ihm erfahren hatte. Überall pries man die Kennt⸗ niſſe und den Fleiß des jungen Mannes, welcher, kaum von der hohen Schule zurückgekehrt, ſchon

mit großer Auszeichnung in der Laufbahn eines

Rechtsgelehrten aufgetretten war, über ſeine Red⸗ lichkeit war uur eine Stimme, und zum Arger vie⸗ ler von ſeinen Standesgenoſſen rühmte man laut von ihm, daß er eine Ehre darin ſuche, mehr Strei⸗ tigkeiten in der Güte zu ſchlichten, als vor die Ge⸗ richte zu bringen. Aber freylich vergaß Reinau nicht hinzu zu ſetzen, daß der wackere Mann leider gar kein Vermögen und keine Hülfsmittel als ſei⸗ nen Fleiß habe, und bey ſeiner ſtrengen Gewiſſen⸗ haftigkeit ſchwerlich ſo ſchnell als Andere in ſeiner Laufbahn gedeihen werde.

Die Ankunft eines Briefes von dem Gutsbe⸗ ſitzer in Waldhauſen unterbrach die Unterhaltung⸗ Er lud Reinau und Klärchen auf den nächſten Sonn⸗

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