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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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Es war Mittewoche, und am nächſten Frey⸗ tage glaubte Thorwald, um ſich pünetlich zu zei⸗ gen, den erſten Spielabend nicht verſäumen zu dür⸗ fen. Klärchen hatte ihn ſeitdem nicht geſehen. Reinau kündigte einen Kampf auf Tod und Leben an. Der junge Mann verlor das erſte Spiel und als jener ihm die Königinn vorgeben wollte, glaubte er ſeine Kunſtfertigkeit in glänzenderem Lichte zeigen und den Siegerſtolz ſeines Gegners ein wenig beugen zu müſſen. Das Spiel ſchien ſchlecht für ihn⸗ zu ſtehen, aber plötzlich that er einige fein vorbereitete Meiſterzüge, durch welche Reinau höchlich überraſcht wurde. Vortrefflich, in der That vortrefflich! rief er aus. Sie erinnern mich durch ihre Spielweiſe ganz an die wackere Frau, die mir den erſten Un⸗ terricht im Spiele gab.

Wie, eine Frau hätte einen ſolchen Schüler ge⸗ zogen? fragte Thorwald⸗

Ja, aber was für eine Frau! Meine ſelige Tan⸗ te, der ich überhaupt viel Gutes danke. Mein Oheim ſpielte ſchlecht, und um ſich einen Gegner nach ihrem Sinne zu erziehen, machte ſie ſich das Vergnügen an jedem Sonntage, wenn ſie des Nach⸗ mittags ihre Predigt geleſen hatte, mich, den fünf⸗ zehnjährigen Knaben, im Spiele zu unterrichten. Ein gar kluges, liebes Weib!

Nicht wahr, lieber Oheim, ſiel Klärchen ein⸗ die freundliche Geſtalt unter unſern Familienbil⸗ dern, mit dem Halsband von Demanten und Kar⸗