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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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259 noſſen, daß jedes Mädchen, das der verſtändig prüfende Mann nach einer ſolchen Frau wieder zur Lebensgefährtinn wählen wollte, durch ſeine Wahl ſich ſehr geſchmeichelt fühlen muß.

Bey aller Achtung gegen den würdigen Mann, möchten darin doch wohl manche Mädchen anderer Meinung ſeyn, lieber Oheim.

Aber mein verſtändiges Klärchen hoffentlich nicht. Ja, mein Kind, ich glaube, er hat ein Au⸗ ge auf Dich geworfen.

Klärchen erblaßte und erröthete wechſelnd, als der Oheim nach dieſen Worten ſie einige Augenbli⸗ cke anſah. Aber, theurer Oheim, ſprach ſie nach einer Pauſe mit unſicherer Stimme, an eine ſo ungleiche Verbindung würden Sie doch gewiß nie denken wollen.

Nun, was wäre denn ſonderlich Ungleiches da⸗ bey? Laß ſehen. Seine Geſtalt? Hundert Mädchen haben nicht ſo eine männlich ſchöne gewählt. Seine 3 Lebensweiſe? Ein verſtändiges Mädchen wird ſich darein finden, auch wenn ſie nicht auf dem Lande erzogen, und ſonſt nur an Häuslichkeit gewöhnt iſt. Aber ein redlicher, ein fleißiger Mann, und das ſchönſte Gut in unſerer Gegend; das ſind Vorzü⸗ ge, vor welchen das, was Du Ungleichheit nennſt, ganz verſchwindet. Freylich könnte auf Deine So⸗ naten zuweilen wohl ein wenig Staub von der Tenne fliegen, wenn die Dreſchflegel auf den vol⸗ len Garben im luſtigen Tacte tanzten, und mit