Teil eines Werkes 
1. Theil (1820)
Entstehung
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39 Aber, wie es ſo vielen Aeltern von feurigem, heftigem Sinne begegnet, ſie verkannte die Ge⸗ fuͤhle ihrer Tochter, welche unter der Huͤlle der ruhigſten Gleichgiltigkeit den Keim jener Lei⸗ denſchaften hegte, die zuweilen plöͤtzlich ſich er⸗

heben und den Beobachter durch ihre unerwar⸗

tete Glut und Staͤrke uͤberraſchen. Luziens Gefuͤhle ſchienen kalt zu ſein, weil ihr noch nichts begegnet war, das ſie haͤtte erregen oder wecken koͤnnen. Ihr Leben war hisher einfoͤr⸗ mig und ſtill dahin gefloſſen, und gluͤcklich waͤ⸗ re ſie geweſen, wenn nicht ſein ſanfter Wellen⸗ ſpiegel dem Strome geglichen haͤtte, der zum Waſſerfalle hinab gleitet.—

Wie, Luzie! ſprach der Vater, als er nach dem Geſange hinein trat— lehrt Dich dein weiſer Tonkuͤnſtler die Welt verachten, ehe Du ſie kennſt? Das iſt doch wohl ein wenig uͤber⸗ eilt. Oder ſprachſt Du nur, wie's ſchoͤne Maͤd⸗ chen pflegen, die immer des Lebens Freuden verachten muͤſſen, bis es der Gewandtheit eines