Adler des erſten Garderegiments vorſtürzte und ihm denſel⸗ ben überreichte. Der Kaiſer preßte ihn inbrünſtig an die Lippen und ſchlang dann ſeine Arme um Petits Nacken, plötzlich ließ er ihn los, nahm die zerfetzte Fahne, die über ihm flatterte und küßte ſie zweimal. Unfähig, ſich länger zu faſſen, brachen die abgehärteten, wettergebrännten Ve⸗ teranen wie Kinder in lautes Schluchzen aus und wende⸗ ten das Antlitz ab, um ihre Bewegung zu verbergen. Kein Ruf vive l'Empereur tönte nun durch dieſe Rei⸗ hen, wo jeder gern ſein Herzblut für ihn vergoſſen hätte. Kummer hatte die Begeiſterung verdrängt und von Gram überwältigt ſtanden ſie da.
Eine hohe, kriegsmänniſche Geſtalt näherte ſich mit entblößtem Haupte dem Kaiſer und ſprach einige Worte zu ihm. Napoleon winkte mit der Hand gegen die Trup⸗ pen und Viele ſtürzten aus den Reihen heraus und ſielen vor ihm auf die Kniee. Er fuhr ſich mit der Hand über das Geſicht und entfernte ſich. Meine Augen wurden dun⸗ kel, ein Nebel verbarg mir Alles rund umher und es war mir, als ob die Augenlieder ſelbſt berſten wollten. Das laute Pferdegetrappel ſchreckte mich auf und dann kam das Rollen der Wagen. Ich blickte empor, ein Wagen von einem Peloton Dragoner escortirt, fuhr aus dem Thore, dann folgte ſchnell ein zweiter, die Obriſten ſtellten ihre Leute in Reih und Glied, der Befehl zum Abmarſch wurde ertheilt, die Trommeln wirbelten, die Grenadiere ſetzten ſich in Bewegung, die Chaſſeurs ſchloſſen ſich an und zu⸗ letzt ſchwenkte ſchwerfällig die Artillerie ab: der Hof war leer— kein Mann blieb zurück— Alle, Alle waren fort. Das Kaiſerreich war zu Ende und der Kaiſer, der gewal⸗ tige Genius, welcher es gegründet, auf dem Wege in die Verbannung. 8


