25⁵
großen Treppe hielten, ſondern zu einer niedern Nebenthüre in einen entlegenen Flügel des Palaſtes fuhren.
Das Geräuſch, welches durch die Ankunft des Gefol⸗ ges entſtand, dauerte nur einen Augenblick. Die Wagen entfernten ſich ſchnell, die Dragoner verſchwanden und Alles verſank in die frühere Stille; ich konnte ungeſtört über das Ganze nachſinnen und fragte mich ernſthaft, ob es Wirklichkeit geweſen ſein konnte. Ich öffnete meine Thüre, um zu horchen; kein Ton weckte jedoch das Echo auf den langen Gängen. Man hätte ſich einbilden koͤnnen, daß dieſes weite Dach kein lebendes Weſen beherbergte, ſo ſtill war Alles hernm.
Ein ſonderbares Gefuͤhl von Angſt, Furcht vor etwas Unbeſtimmtem, ich wußte nicht, was und nicht, woher es kommen ſollte, hatte ſich meiner bemächtigt, und meine Nerven, deren Reizbarkeit meine lange Krankheit erhöht hatte, wurden nun hoöͤchſt empfindlich und ließen keinen Gedanken an Schlaf aufkommen. Wilde Phantaſien trie⸗ ben ſich in meinem Kopfe umher und machten mich un⸗ ruhig und unbehaglich. Es kam mir auch vor, als ob die Nacht ungewoͤhnlich trübe und ſchwül wäre und ich öff⸗ nete das Fenſter, um friſche Luft einzulaſſen. Kaum hatte ich den Vorhang auf die Seite gezogen, als mein Blick auf einen langen Lichtſtrahl ſiel, der von einem Fenſter im Erdgeſchoß des Palaſtes ausging und ſeinen hellen Glanz weit über den Hof hinwarf.
Es war im nämlichen Flügel, an dem die Wagen gehalten hatten— es konnte nicht anders ſein, irgend ein kürzlich in der Schlacht verwundeter Offizier von hohem Rang war dahin gebracht worden. Armer Mann, dachte ich, wie viel mochte er wohl in der friedlichen Einſamkeit dieſes ſtillen Ortes leiden. Wer kann es ſein? Dieſe Frage drang ſich mir immer auf; denn der erſte Eindruck war in mir bereits zu feſter Ueberzeugung geworden.
Die Stunden verfloſſen, der Lichtſchein blieb unverän⸗ dert und die Stille wurde nicht geſtört. Des Nachſinnens


