Teil eines Werkes 
5., Tom Burke : ein Roman aus der napoleon'schen Zeit : 13.-15. Bändchen (1845)
Entstehung
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Zweites Kapitel. Berlin nach Jena.

Wie die Schlacht von Auſterlitz Oeſterreich den Todes⸗ ſtoß verſetzte, ſo ſiel Preußen mit der Niederlage bei Jena; das große Königreich wurde Beute des Eroberers Napo⸗ leon. Wäre hier der Platz dazu, ſo würde es der Mühe werth ſein, die Urſachen zu erforſchen, welche einen ſo plötzlichen und vollſtändigen Untergang herbeiführten, und

zu ermitteln, wie es kam, daß eine ſo große und wohl⸗⸗

geordnete Armee mit einem Schlage vernichtet und zerſtöoͤrt ſchien.

So vollkommen und entſcheidend die Siege von Jena und Auerſtädt auch waren, ſo hätten ſie doch nicht zu ſol⸗ chen Erfolgen hingereicht, und wenn des Kaiſers Genie den Sieg nicht eben ſo ſchnell verfolgt als gewonnen hätte, wären dieſelben nie eingetreten. Aber kaum war der ſchreck⸗

liche Kampf beendet, als er die gefangenen ſächſiſchen Offi⸗

ziere vor ſich kommen ließ, ſie in einem gütigen Tone anredete und ihnen ſogleich erklärte, daß ſie frei nach ihrer Heimath zurückkehren könnten, wenn ſie ihr Chrenwort gäben, gegen Frankreich und ſeine Alliirten keine Waffen zu tragen. Hundert und zwanzig Offtziere verſchiedener Grade, vom Generallieutenant abwärts, gaben dieſes Ver⸗ ſprechen und kehrten, Napoleons Großmuth preiſend, in ihr Land zurück. Dieſem erſten Schritte folgte bald ein

anderer, viel bedeutenderer: mit dem Churfürſten von

Sachſen wurden Unterhandlungen angeknüpft und ihm der Königstitel unter der Bedingung angeboten, ſich dem Rhein⸗ bunde anzuſchließen, und ſo wurde hier im Norden Deutſch⸗

lands die nämliche argliſtige Politik in Anwendung ge⸗

bracht, die im Süden in Bezug auf Bayern mit dem gleichen Erfolge betrieben worden war.