Enttäuſchung mit ſich führt und der, wenn er nicht ge⸗ ſtillt wird, zur Quelle bittern Leides und Mißbehagens wird. Dieſe Empfindungen drängten ſich mir mehr durch die Gewalt der Ereigniſſe auf, als daß mich mein eigenes Nachdenken darauf geleitet hätte. Die Laufbahn, in der ich als Knabe die erſten Schritte that, hatte zu nichts als Ungluck geführt, die Neigung, welche ich für das ein⸗ zige Weſen fuhlte, das ich je liebte, war ebenfalls zu ei⸗ nem unglücklichen Ausgang beſtimmt. Das leidenſchaftliche Verlangen nach Freiheit, in dem meine erſten Beſtrebungen alle ihren Mittelpunkt gefunden, hatte den gewaltigen Stoß erhalten, welchen ihm meine eigenen Ueberzeugungen beibrachten; und ich ſah nun ein, daß ich ein neues Leben beginnen mußte, indem ich trachtete, die Einwirkungen zu vergeſſen, die einen dunkeln Schatten auf meine früheſte Vergangenheit warfen, und mein Geſchick auf ganz andere Grundlagen zu bauen, als ich einſt beabſichtigt.
Dies waren die letzten Gedanken, die mir vorſchweb⸗ ten, als mein Kopf auf meinen Arm ſank und ein tiefer Schlaf über mich kam. Plötzlich erweckte mich das Ge⸗ räuſch eines fallenden Scheites. Ich rieb mir die Augen und konnte mich ein paar Sekunden lang nicht beſinnen, wo ich war. Endlich wurde es mir heller im Kopf, ich ſah nach der Uhr und gewahrte, daß es erſt Zwei war. Als die Flamme des wieder angefachten Feuers ihre Helle durch das Gemach warf, bemerkte ich, daß die Thüre in den Kornboden offen ſtand. Dies fiel mir auf— ich glaubte ſie vor dem Einſchlafen zugemacht zu haben. Ja, ich erinnerte mich genau, einen Stuhl daran geſtellt zu haben, da die Klinke unbrauchbar war und kalte Zugluft herein kam; und jetzt war der Stuhl in das Zimmer her⸗ eingeſtoßen und die Thüre ſtand offen. Ein unbeſtimmtes Gefühl, halb Argwohn, halb Neugierde, ließ mich dieſen Umſtand überdenken; als mein Blick ganz zufällig auf den Tiſch fiel, wo ich meinen Säbel und meine Piſtolen ge⸗ laſſen hatte. Wie erſtaunt war ich, als ich ſah,, daß eine


