—
„„Schreiber des Gerichtshofes, nahm aus einer ſchwar⸗
zen Taſche an ſeiner Seite eine Rolle Papier und be⸗ gann ohne Verzug in leierndem Tone eine förmliche Aufforderung des großen Tribunals vorzuleſen, betref⸗ fend die„Vorführung der Perſon des Thomas Burke, Unterlieutenant im achten Huſaren⸗Regiment, jetzt im Gefängniß des Tempels und angeklagt des Verbrechens des Hochverraths.“— Das letzte Wort machte mich ſchaudern und all meine ſeit den letzten Wochen mir angewöhnte, ſtoiſche Gleichgültigkeit hielt nicht Stand gegen ſolch eine Anklage. Der Kerkermeiſter hörte das Dokument me⸗ chaniſch an, las als Erwiederung ein anderes laut vor und übergab mich darauf dem Offtzier, der mich er⸗ ſuchte, ihm zu folgen. 3 In dem Hofe unten war die größte Anzahl der Gefangenen bereits verſammelt. George ſtach unter allen Andern hervor, nicht nur durch ſeine ſuattliche Geſtalt, ſondern auch durch eine ſchöne Uniform, über die er ſeine St. Ludwigs⸗Dekoration trug, deren rothes Band in glänzenden Bogen ſeine Bruſt umſchlang. Ein ſchwaches Geräuſch unter einer Thüre des Thur⸗ mes ſchien plötzlich ſeine Aufmerkſamkeit zu feſſeln und ich ſah, daß er ſich ſchnell umkehrte und ſich durch die Menge einen Weg zu der Stelle bahnte. Begierig, zu erfahren, was es ſei, folgte ich ihm ſogleich. Mit einiger Schwierigkeit vorwärts drängend, erreichte ich die Thüre, auf deren Schwelle ein junger Mann in einem Anfall von Ohnmacht lag. Sein Geſicht, blaß wie der Tod, hatte keine andere Farbe, als zwei dunkle Ringe um die Augen, die offen, aber verdreht und trübe waren. Schleunigſt wurde ihm von einigen Umſtehenden die Halsbinde abgenommen, worauf ſich um ſeinen Hals ein purpurrother Rand und unter dem Kinn eine blutunterlaufene angeſchwollene Stelle zeigte, die ſchrecklich anzuſehen war. Seine Kleidung ſowohl als das Gepräge ſeiner Züge verrieth eine Perſon von
—
* 1


