Teil eines Werkes 
2., Tom Burke : ein Roman aus der napoleon'schen Zeit : 4. bis 6. Bändchen (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

„Sehen Sie, es iſt ihm jetzt viel beſſer,“ ſagte eine ſanfte Stimme neben mir;„Sie ſehen, ſeine Farbe kehrt zurück.“ Ich ſchlug die Augen auf und neben mir ſtanden zwei Damen. Die ältere war ſchlank und zierlich gebaut; ihre Geſtalt, an und für ſich höchſt anmuthig, wurde durch den Glanz ihrer Kleidung aufs Vortheilhafteſte hervorgehoben: in ihrem Benehmen lag etwas Stattliches, das man für Hoch⸗ muth hätte halten können, ohne jenes ſanfte Wohl⸗ wollen, das, wenn ſie ſprach, ihren Mund umſpielte. Die jüngere, die den Jahren nach ihre Tochter hätte ſcheinen können, war ihr in jeder HKinſccht ungleich; ſie war zart gebaut, ihr Geſicht und ihre ſchwarzen Augen, von langen, ſchwarzen Wimpern beſchattet, verriethen die Provencalin, ihre Züge waren regel⸗ mäßig ſchön, und, wenn ſie ruhte, vollkommen grie⸗ chiſch; aber jeden Augenblick ſchuf ein zufälliges Wort, ein vorübergehender Gedanke einen neuen Ausdruck, und der immer wechſelnde Blick ihrer flammenden Au⸗ gen und ihre vollen runden Lippen ſpielten zwiſchen einem Lächeln und jenem ſchelmiſchen Geiſte, der den ſchönen Töchtern des Südens ſo weſentlich angehört. Erſt als mein feſter Blick auf ihre Wange eine tiefe Röthe getrieben, fühlte ich, wie glühend ich ſie ange⸗ ſehen hatte.

„Ja, ja,“ ſagte ſie haſtig,„er iſt wieder ganz wohl,“ und zugleich zeigte ſie eine Geberde der Un⸗ geduld, fortzugehen. Aber die ältere hielt ihren Arm feſt in ihrem eigenen, während ſie in halb boshaftem Tone flüſterte:—„Halten Sie doch, Marie, ich möchte gerne ſeinen Namen hören. Ahl“ rief ſie mit erkün⸗ ſteltem Staunen,„wie Sie glühen; es muß hier et⸗ was in der Luft ſein, ſo daß wir beſſer thun, zu ge⸗ hen;“ und mit ſanftem Lächeln und einer artigen Bewegung ihrer Hand ging ſie fort.

ch ſah ihnen nach und in meinem Herzen regte ſich ein ſeltſames Gefühl— eine Art wilder Freude,