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Augenblicke des Nachdenkens kamen nur ſelten, und endlich gar nicht mehr. Es war Herbſt— die Stadt faſt entblößt von Einwohnern, wenigſtens von ſolchen, die ſie verlaſſen konnten. Die verdorrten und ſonnver⸗ brannten Straßen und Quartiere, in denen ſich vor Kurzem noch Equipagen und Cavalkaden gedrängt hat⸗ ten, waren ſtill und öde. Die geſchloſſenen Läden und mit
„Gras überwach enen Treppen jedes Hauſes verriethen
die Abweſenheit der Eigenthümer. Dieſelbe traumhafte Lethargie, die über der verlaſſenen Stadt ruhte, ſchien Alles zu durchdringen; und außer einer gewiſſen unter⸗ würfigen Thätigkeit der Schloßbeamten— einer Art Grundgewell⸗Bewegung, die etwas Wichtiges bedeu⸗ tete— regte ſich nichts. Die große Maßregel der Union, welche in der Nacht des Aufruhrs durchgeſetzt worden war, hatte jedoch die Hoffnung der iriſchen liberalen Partei vernichtet, und Manche, die einſt eine Hauptrolle in der Politik geſpielt hatten, entſagten dem öffentlichen Leben für immer.
Um dieſe Dinge bekümmerten ſich meine Geſell⸗ ſchafter nur wenig. Es waren nur zwei oder drei Ir⸗ länder unter dem Regiment und dieſe hatten während ihrer Dienſtzeit ſchon lange all' ihre Nationalität ver⸗ loren, ſo daß ich nichts von dem hörte, womit ſich die
öffentliche Aufmerkſamkeit beſchäftigte, und mitten im
drohenden Sturm, in einer todähnlichen Ruhe lebte. Seit dem Tage meines Abſchiedes hatte ich weder Barton noch Baſſet geſehen, und konnte, was noch ſonderbarer war, nirgends Darby finden, der Dublin verlaſſen zu haben ſchien. Die Niederlage der Partei, zu der er gebhörte, ſchien jetzt vollendet, und die Aus⸗ ſicht auf iriſche Unabhängigkeit für immer verloren. Eines Abends ſaß ich an einem Fenſter in Bubb⸗ letons Quartier und dachte über dieſe Dinge nach, nicht ohne Selbftivorwurf über das Leben, das ich führte, und das den Grundſätzen, die ich mir feſtgeſtellt hatte, ſo ganz entgegen war. Ich dachte an den armen De
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