innerung an das unglückliche Ereigniß war ſeinem Ge⸗ dächtniß entſchwunden, und ſeine irrenden Gedanken ſchweiften nun über ſeine alten Geſchäfte, ſo daß er ſeine Tage in den Ställen zubrachte, wo er nach den Pferden ſah und Verfügungen über ſie erließ. Später war er hiefür zu ſchwach geworden und kam nie aus ſeiner eigenen Hütte; aber jetzt war er aus irgend ei⸗ nem ſeltſamen Grunde herauf„ins Haus“ gekommen und ſaß am Feuer, als ich ihn fand.
Wer in Irland bekannt iſt, wird den ſeltſamen Drang kennen, welchen bei Annäherung des Todes das Volk zu fühlen ſcheint, ſich um das Trauerhaus zu verſammeln. Die Leidenſchaft für tiefe und mächtige Aufregung, der merkwürdigſte Zug in ihrem Wefen, ſcheint ſich in den Einzelnheiten ihres Kummers und Leidens zu behagen. Nicht zufrieden mit dem Trauer⸗ ſpiele vor ihren Augen rufen ſie den Aberglauben zu Hülfe, um die Trübſeligkeit der Scene zu erhöhen, und alle möglichen Geiſter⸗ und Feengeſchichten werden in Tönen wiedergegeben, welche nicht verfehlen, das Herz zu erſchüttern. Bei ſolchen Gelegenheiten ent⸗ hüllen ſich die tiefſten Wirkungen ihrer wilden Geiſter. Ihre Klage iſt dumpf und niedergeſchlagen oder laut und leidenſchaftlich: bald bricht ſie aus in irgend einen Klageruf über die Tugenden des Dahingeſchiedenen; hald ergießt ſie ſich in eine wahnſinnige Anrufung des Vaters der Barmherzigkeit, ob es wohl recht ſei, die⸗ jenigen von der Erde abzurufen, welche ihre Wohl⸗ thäter geweſen, während, was am ſonderbarſten iſt, ein Zug rückſichtsloſer Luſtigkeit durch den Trübſinn bricht; aber dieſer gleicht dem rothen Blitz, der durch den Sturm fährt, der, indem er die Wolke ſpaltet, nur die Verwüſtung und Verheerung ringsumher ent⸗ hüllt, und wenn er verſchwindet, noch eine ſchwärzere Finſterniß hinter ſich läßt. 3
Von meiner Kindheit an war ich mit Scenen dieſer Art vertraut geweſen; und meine Gewohnheit,


