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aufzuraſſen, als auf das Haupi des Hauſes, während ich entweder gänzlicher Vernachläſſigung oder höchſtens den Aufmerkſan keiten deren anheimgegeben war, die in unſerer Heer⸗Liſte nur als Ueberzählige ſigurirten. Dennoch, trotz aller dieſer Veranlaſſungen zu Eifer⸗ ſucht zwiſchen uns, liebten wir einander zärtlich. Georg bemitleidete den„armen Tomy,“ wie er mich nannte, und für dieſes Mitleiden hing mein Herz an ihm. Er wollte meine Sache oft vertheidigen für jene kühneren Vergehen, welche ſeine feinere Natur niemals wagte, und erſt in Folge ſeines langen Umganges mit Knaben höheren Ranges, deren Gewohnheiten und Meinungen er als Standarten, denen er folgen müſſe, betrachtete, entſtand endlich zwiſchen uns ein Gefühl der Entfrem⸗ Pung. und wir lernten nun einander etwas kalt an⸗ ehen.’ Nach dieſen kurzen Andeutungen wird man ſich nicht wundern, wenn ich mit ſchwerem Herzen heimkehrte. Von der Stunde an, wo ich den Abberuſungsbrief er⸗ hielt— geſchrieben von meines Vaters Anwalt in mög⸗ lichſt bundigen und juriſtiſchen Phraſen— hatte ich kaum aaufgehört, Thränen zu vergießen; denn ſo iſt es, in 3S dem Gedanken, als eine Waiſe, freundlos und ſchutzlos zurückgelaſſen zu werden, liegt etwas von dem Verluſte eines wohlwollenden und gütigen Weſens ganz Ver⸗ ſchiedenes, was das junge Herz mit einer wahren Fluth von Wehmuth erdrückt, außerdem waren meinem Vater dann und wann doch einmal ein paar gütige Worte gegen mich entfallen, und dieſe ſchätzte ich als meinen reichſten Beſitz. Ich dachte hin und wieder an dieſelben; manche einſame Nacht, wenn mein Herz ſchwer und niedergedrückt war, wiederholte ich ſie mir ſelbſt, gleich Talismanen gegen Kummer, und wenn ich einſchlief, ſo ſchwebten meine Träume darüber und machten mein Erwachen glücklich. 3 3 Als ich aus einem dunkeln Gehölze von Buchen trat, lag das alte Haus in undeſtimmten Umriſſen vor


