Teil eines Werkes 
9. bis 13. Bändchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Siebenundfünfzigſtes Kapitel.

Cueſta.

Der zweite Tag unſerer Reiſe neigte ſich ſeinem Ende zu, als wir die ſpaniſche Armee zu Geſichte bekamen. Sie hatte ihre Stellung auf einer wellenförmigen Ebene neben dem Teitarfluſſe eingenommen, und ohne daß die Gegend einen auffallend maleriſch ſchönen Cha⸗ rakter gehabt hätte, war die Szene, die ſich jetzt unſern Blicken darbot, höchſt intereſſanter Art. Von dem klei⸗ nen Bergpfade herab, auf dem wir ritten, erblickten wir unten eine Streitmacht von dreißigtauſend Mann in Schlachtordnung aufgeſtellt; dichte Reihen Fußvolkes wech⸗ ſelten mit Reiterſchwadronen oder den dunkeln Maſſen der Artillerie, während der glänzende Stahl in der goldnen Abendſonne eines Julitages glitzerte; kein Lüftchen regte ſich, die Fahnen hiengen bewegungslos herab, und kein Ton unterbrach das feierliche Schweigen der Stunde; Alles war ſtill und der Anblick dieſer gewaltigen, unter den Waffen ſtehenden Armee, machte einen ſo wunderſamen Eindruck auf mein Gemüth, daß ich das Pferd anhielt und beinah an der Wirklichkeit der Szene vor mir zweifelte. Die dunkeln Schatten des hohen Gebirges fielen in das Thal hinein, und ſtatt der röthlichen Glut der unter⸗ gehenden Sonne hatten ſich bereits die Sterne am Him⸗ mel eingefunden, als wir die Ebene erreichten; aber noch immer änderte ſich Nichts in der Stellung der ſpaniſchen Armee.

„Wer da?“ rief eine rauhe Stimme, als wir aus dem Gebirgspaß hervorritten, und im nächſten Augen⸗ blick ſahen wir uns von einer Vorpoſtenmannſchaft um⸗ ringt. Nachdem ich ſo gut wie möglich erklärt, wer und warum ich hier ſey, begab ich mich in Begleitung des Offiziers nach dem Lager.

Auf meinem Wege dahin erfuhr ich den Grund

Lever, O'Malley. II, 3