Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ren und unſer Quartier in Londonderry aufzuſchlagen. Wir hatten blos etliche Wochen in Ulſter zugebracht, als

die Ordre kam; und da wir in den letzten zwei Jahren

im Süden und im Weſten geſtanden, ſo dachten wir, es werde wohl auf der ganzen Inſel ſo ziemlich das Gleiche ſeyn. Wir eröffneten unſern Feldzug in der jungfräu⸗ lichen Stadt gerade wie wir es mit beiſpielloſem Erfolg in Caſhel, Fermoy, Tuam u. ſ. w. gethan hatten, das heißt wir kündeten Garniſonsbälle und Liebhabertheater an, ſetzten einen Pokal als Preis für ein Kirchthurm⸗ rennen aus, kutſchirten vierſpännig mit Mohrenſchimmeln vom Bock herab und veranſtalteten eine Menge Waſſer⸗ partien.“

„Das 18te fand den Ort abſcheulich langweilig,“ ſagten wir.

„Kein Wunderz langweilige Geſellen wie dieſe müſſen jeden Ort langweilig finden. Sie hatten keine Gaſtmähler, das heißt ſie gaben ſelbſt keine; ſte hatten keinen Spaß, aber blos, weil es ihnen ſelbſt an Witz fehlte. Wahrlich wir verſtanden den Nummel beſſer; wir wußten ſogleich wie viel Uhr es hier war und be⸗ ſchloßen dieſe reiche, bis jetzt unbearbeitete Goldgrube wohl auszubeuten und das glänzende Metall zu Tage zu fördern, das kurzſichtige Menſchen nicht zu entdecken

vermocht hatten. Inzwiſchen kannten wir den Ort doch

zu wenig und begingen im Anfang eine Menge Mißgriffe, Waren Sie ſchon in Derry?“

„Noch nie,“ antworteten die Zuhörer.

„Gut, ſo muß ich Ihnen vor allen Dingen ſagen, daß dieſer Ort ſeine höchſt eigenthümlichen Züge hat. Fürs erſte beſitzen alle großen Städte im Süden und

Weſten, außer der Landnachbarſchaft ringsumher, eine Art Honoratioren, die, obſchon mit geringem Vermögen und höchſt unbedeutender Weltkenntniß ausgeſtattet, im⸗ merhin ein namhafter Zuwachs für das geſellige Leben

ſind und Lücken ausfüllen, die ſonſt ſelbſt in den bevöl⸗

4