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Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei : Roman / von Heinrich Ritten von Levitschnigg
Entstehung
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noch Jubel und Heiterkeit geben könne auf der ganz ſicher von Gott verflucht gewordenen Erde.

In trübem Schweigen nahten Alle dem Katarakte.

Schon von Weitem ſah man den Dunſt des zerſtäubenden Waſſers gleich einer rieſenhaften Rauchſäule gegen Himmel ſteigen, aber als die Karawane näher herankam, verwandelte ſich dieſe Rauchſäule in den ſchönſten, prachtvollſten Regenbogen der Welt. Es ſchien ein aus Millionen farbiger Perlen zuſammengeſetztes Troſtſchreiben des Herrn, beruhigend wie jene unvergeßlichen Worte, die einſt aus dem ſiebenfach gebrochenen Sonnenlichte den müden Schiffern in der Arche Noah ſo deutungsvoll und verheißend ent⸗ gegenleuchteten. Als Bild des überſtandenen Kampfes aber ſtürzte ſich eine ungeheure Waſſermaſſe mit unbeſchreiblicher Gewalt von einer faſt ſenkrechten unglaublichen Höhe in einen unermeßlichen Abgrund, alſo tobend und toſend, daß man ihren Donner allerdings meilenweit vernehmen mußte. Auch ſprang, gleichſam als Vorzeichen einer neuen ſüdſlaviſchen Schilderhebung, dieſe ungeheure Waſſer⸗ maſſe, ſobald ſie den Spiegel unter dem Falle erreicht hatte, aber⸗ mals bis zu einer großen Höhe in die Luft zurück. Die Oberfläche des Waſſerſpiegels, bis auf eine große Entfernung mit Schaum bedeckt, blieb ſohin einem rieſigen kochenden Felſenkeſſel ähnlich.

Auch die Opfer des Kampfes waren vertreten.

Man ſchaute nämlich unter dem Falle eine große Menge todter Vögel, Rehe und anderer Thiere, die ſich theils zu nahe an den Strom herangewagt haben mochten, und daher durch ſeine Schnel⸗ ligkeit mit fortgeriſſen worden, oder auch theils auf ſeinen obern Wäſſern ſorglos herumſchwammen, bis ſie unvermerkt mit in den Abgrund hinabgeſchleudert wurden und alſo umkamen. Auch trieb unter der Unzahl von Bäumen und Stauden, die von der Fluth wirbelnd fortgeſchleppt wurden, ſo manche welke Blume dahin, bei deren Anblick Lascaris ſein Haupt verhüllte und in Wehmuth der unvergeßlichen weißen Roſe von Serajevo gedachte.

Doch fehlte es dem großartigen Schauſpiele bei ſo viel Schat⸗ ten auch nicht an troſtreichem Lichte.

Ganz oben, nördlich über dem Falle, ſtand zwar eine Granit⸗ wand, die einem verfallenen gothiſchen Schloſſe ähnlich ſah und betrübend an das alte Bollwerk Riswan's mahnte; doch war ſie von den grünen Ranken des Epheues, dieſes Sinnbildes der Treue und Hoffnung alſo umwuchert, daß man die verſtimmende Aehnlich⸗