heit, auf fremden Rittergüteru zu jagen; und obgleich ein Marquis oder ein Graf nur zur niedern Jagd ge⸗ hört, ſo ſind dieſe doch das einzige Wildprät, das ihnen noch übrig iſt, und ſie machen es ſich aufs Beſte zu nutze.
3 Endlich erſchien der Wirth, in einem Scharlachrock, im Knopfloch eine Marke— in Form und Farbe einem neuen Pfennigſtück ähnlich. Ihm folgten ein Dutzend andere in ähnlicher Kleidung aber ohne Marke; dann kamen noch einige Zwanzig in grünen Röcken mit rothen Krägen und Aufſchlägen, eine Art von geringern Gott⸗ heiten, die, wie ich erfuhr, Aſpiranten hießen. Obſchon mir Niemand ſagen konnte, auf was fie aſpirirten, wo das Ziel war, oder wann ſie es zu erreichen hofften. Sodann erſchienen Treiber und Stallknechte und Hunde⸗ führer ohne Zahl— lärmend und tobend; ungefähr zwanzig Kuppeln Dachshunde gaben Laut, und eine gehörige Anzahl von den Scharlachröcken blieſen auf jenem melodiſchen Inſtrument— dem Jagdhorn.
Mit dieſer trefflichen Geſellſchaft ritt ich fort,„allein, aber mitten im Gedränge; denn unglücklicher Weiſe hatte mich mein am vorigen Abend bewieſener Mangel an Sportsmans Takt in den Augen der jagenden Jugend tief herabgeſetzt, und Fräulein Laura zeigte keinen Wunſch, die Geſellſchaft anzunehmen, die ihr würdiger Vater für ſte ausgeſucht hatte. Thut nichts, dachte ich, es gibt hier allerlei zu ſehen, und in einer ſo lebhaften Seene kann ich mich auch ohne zu plaudern unterhalten.
Ihr Gefährte war der Graf D'Espagne, ein un⸗ vergleichliches Muſter von einem in Frankreich ſo ge⸗ nannten Tigre; denn man muß wiſſen, daß daſſelbe Land, das einſt wegen ſeiner übertriebenen Höflichkeit und feines überladenen Zeremoniells einen faſt lächer⸗ lichen Ruf behauptete, jetzt in ächt reaktionärem Geiſte einen Grad von Rauheit angenommen hat, die man Rohheit nennen, und eine Art kaltblütiger Dreiſtigkeit, die man für Unverſchämtheit nehmen könnte, Die An⸗


