Teil eines Werkes 
Bändchen 12-15 (1852)
Entstehung
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ſie es nicht ſein ſollten; und wenn er jeden Tag nach dem Eſſen ihre Geſundheit trank, und ein Glas Cham⸗ pagner ihnen zu Ehren leerte, ſo hielt er ſich vollkommen überzeugt, daß er ſich aller ſeiner Vaterpflichten ihnen gegenüber entledigte! SeinGott ſegne Dich, mein liebes Kind! war das ganze Maaß ſeiner Pietät und ſeiner Liebe; und ſo lebte er denn in dem feſten Glauben, daß er ein von guten, freundlichen, großmüthigen Gefühlen überfließendes Herz beſäße.

Die einzigen unangenehmen Gefühle, die er hatte, entſtanden wegen Nelly's. Ihre Augen, die trotz aller Bemühungen immer friſche Thränen zeigten, ihr blaſſes Geſicht, ihr ängſtliches, nervöſes Weſen, ärgerten ihn und ſetzten ihn in Erſtaunen.Das Mädchen hat wahr⸗ lich etwas Seltſames, pflegte er bei ſich ſelbſt zu ſagen; früher, wo wir keinen Heller Geld beſaßen, und nur mit Mühe unſer Mittageſſen bezahlen konnten, ſang ſie den lieben langen Tag; ſie war ſo luſtig wie eine Lerche, und ſchnitzte bis zwei oder drei Uhr in der Nacht an ihren Bildern; und jetzt, wo wir die Hülle und Fülle haben, und wo wir uns auf jede Weiſe beluſtigen koͤnnen, ſitzt ſie den ganzen Tag da, und brütet und härmt ſich ab. Sein Scharffinn konnte ſich dieſes nicht erklären.Zwar iſt ſie lahm, und es iſt möglich, daß es ſie ſchmerzt, dem Tanzen zuſehen zu müſſen, ohne daran Theil nehmen zu können. Aber wann zeigte ſie ein neidiſches Weſen? Auch wird ſie alt, ſie iſt jetzt wenigſtens ſechs bis ſieben und zwanzig Jahre alt, und hat keine Ausſicht, einen Mann zu finden, der ihr anſteht; aber wie kommt es, daß Nelly ſich deßhalb grämt? Sind nicht alle ihre Hoff⸗ nungen, iſt nicht alle ihre Affection auf die Ihrigen beſchränkt? Auch kann ſie ſich nicht wohl nach Irland zurückſehnen, da ſie es nur wenig geſehen, ehe ſie es verließ. 5 Und ſo ſtand er immer wieder am Ende ſeiner Ver⸗ muthungen, ohne der Loͤſung näher gekommen zu ſein.