Teil eines Werkes 
Bändchen 12-15 (1852)
Entstehung
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rief Nelly leldenſchaftlich;ſie macht Ihnen in der That

alle Ehre. Und das hätteſt auch Du thun koͤnnen, Nelly, er⸗

wiederte er in einem Tone, der anzeigte, daß es ihm we⸗ gen ſeines Zornausbruches halb und halb Leid war.Ge⸗ wiß habe ich zwiſchen Euch nie einen Unterſchied gemacht. Ich behandelte Euch Alle gleich, Gott weiß es!

Und in der That war, wenn ein keinen Unterſchled machender Egoismus für ihn ſprechen konnte, die Recht⸗

fertigung bewundernswerth.

Ja, Papa; aber die Natur iſt minder großmüthig geweſen, ſagte Nelly, durch ihre Thränen hindurchlä⸗ chelnd; und dann nahm ſie den Brief noch ein Mal vor.

Gleich als befürchtete ſie, die unglückliche Discuſſion ſich erneuern zu ſehen, ging ſie raſch über den Bericht weg, den Frank vom Entzücken ſeines Freundes gab; auch fing ſie erſt dann wieder laut zu leſen an, als ſie bei der Stelle ankam, wo der Jüngling ſeine eigenen Schickſale erzählte.

Du fragſt mich, las Nelly,über den Grafen Stephan, und die Antwort iſt eine kurze. Ich habe ihn bis jetzt nur ein Mal geſehen. Unſer Bataillon, das zu Laibach in Garniſon lag, iſt erſt vor drei Wochen in Wien angekommen. Da ich es für meine Pflicht hielt, unſerem Verwandten meine Aufwartung zu machen, ſo erhielt ich eines Abends Erlaubniß zum Ausgehen. Adolph, der wußte, daß ich mit dem Feldmarſchall verwandt bin, hatte mir zwei hundert Gulden geliehen; und dieſe hätte ich gerne wieder heimbezahlt: ein weiterer Grund zu dieſem Beſuche.

Wohlan, ich zog meine beſte Cadettenuniform an, und nahm meine ſeidene Degenquaſte, Nelly; kurz, ich legte das ſchlechte Commißzeug weg und ſah recht fein und geputzt aus, wie ein Cadett ausſehen ſoll. Dann rief ich einen Fiaker herbei und ließ mich nach dem Kärnth⸗ ner Thore, nach der Wohnung des Feldmarſchalls von