Teil eines Werkes 
Bändchen 12-15 (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Dreiundvierzigſtes Kapitel. Ein Packet mit Briefen.

Es war ein ſchoͤner, heller Maimorgen. Ein etwas ſpäter Frühling hatte die Vegetation zurückgehalten, und die blühenden Obſtbäume vereinigten jetzt ihre Pracht mit den wärmeren Tinten des kommenden Sommers. Wir be⸗ finden uns abermals in Baden; aber wie verſchieden iſt es jetzt von dem Orte, den wir früher geſehen haben! Die zugefrorenen Quellen und Brunnen platſchen, und ziſchen, und perlen jetzt in der Sonne. Die ſchönen Alleen ent⸗ falten jetzt auf ihren Seiten den gelben Crocus und den Affodil; das ſchaumfarbene Laub der Eſche bildet an dem luſtigen Fluſſe einen leichten Schatten, an dem Fluſſe, an deſſen Ufern der froͤhliche Laut angenehmer Stimmen ſich mit dem Geſange von tauſend Vögeln verbindet. Die Fenſter ſtehen offen, es zeigen ſich anmuthige Balkone, und Pomeranzenbäume ſtrömen ihren ſüßen Duft in die ſchon mit Wohlgerüchen angefüllte Luft aus. Alles iſt Leben, und Bewegung, und Freude, denn der Winter iſt nun vorüber, und es iſt nun Nichts mehr von ihm da, als die Schneegipfel einiger entfernten Berge, und ſogar dieſe glühen im brillanten Contraſt mit dem tiefblauen

immel, der ſich jenſeits derſelben zeigt.

So ſchön das Thal im Sommer oder im Herbſte iſt, ſo zeigt ſich ſeine ganze Schönheit doch nur im Früh⸗

Die Daltons. IV. 1