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zwar nicht leſen dürfen, aber ich habe ihn geſehen; als Brautmutter functionirte das Weib von Breslau.“
„Wie! die alte Madame Heidendorf? die iſt ſchon bei vielen ähnlichen Ceremonien geweſen, Sir.“
„Der Kaiſer hatte ſie zu dem Zwecke hergeſchickt,“ rief Purvis, der ſehr böſe war, daß man ſeine Geſchichte ſo verächtlich behandelte.
„Ich muß ſagen, Sir, daß in dieſem ungläubigen Zeitalter Ihre kindliche Unſchuld etwas Bezauberndes hat; aber erlauben Sie mir, Ihnen zu ſagen, daß ich die alte Karoline Meersburg kenne:— ſie war eine Schweſter des Kerls, der dem Erzherzog Michael, auf dem zur Feier
ſeines Geburtstages veranſtalteten Balle, ſeinen Galadegen ſtahl. Ich kenne das Weib nun ſchon ſeit fünfunddreißig Jahren. Sie müſſen ſie im Hauſe Lubetskoy's geſehen haben, Madame, als er zu Neapel Geſchäftsträger war: es war in dem Jahre nach der Schlacht von Marengo. „”Oh, damals trug ich noch mit Spitzen beſetzte Bein⸗ kleider; damals fing ich noch Schmetterlinge,“ ſagte Mrs. Ricketts, ſich gewaltig anſtrengend, um ein Lächeln heraus⸗ zubringen.
„Ich zweifle keinen Augenblick daran, Madame.“
Und dann murmelte der Oberſt vor ſich hin:
„Und wenn kindiſches Weſen gleichbedeutend mit Ju⸗ gend iſt, ſo wird ſie ſich eines ewigen Frühlings erfreuen!“
„Die Ceremonie,“ hob Purvis wieder an, der ſeine Geſchichte um jeden Preis an den Mann bringen wollte, „war dr— dr— drollig genug; man ſchnitt ihr eine 2— 6.— Locke ab, und band dieſelbe mit einer Locke von ſeinem Haare zuſammen.“
„Und ſo wurde eine gute Perrücke verderbt!“ krächzte Haggerſtone. 8
„Dann brachte man ein B— B— B— B—
„Ein Boot, Sir?“
„Nein, kein B— Boot, ſondern ein B— Becken,


