Teil eines Werkes 
Bändchen 4-7 (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

259

Vettern, von denen ich noch nie gehört, und machte auch eine famoſe Bekanntſchaft die des Fürſten Paul von Ettlingen nämlich, der, als Inhaber eines leichten Dragoner⸗Regiments, mich in ſein Corps aufnahm; und als ich in Teutmeritz zu demſelben ſtieß, war ich bereits Offizier.

Was doch die Leute dummes Zeug ſchwatzen! Da predigen ſie Sparſamkeit! Sind wir Söhne von Bauern und kleinen Kaufleuten? Auch ſteht es ihnen in ihren fürſtlichen Schlöſſern wohl an, uns zu ſagen, daß wir wie gemeine Soldaten leben müſſen! Demnach müßte ich, nachdem ich geſtern noch an einem mit Sil⸗ ber beladenen Tiſche geſeſſen und meinen Tokayer aus einem venezianiſchen Glaſe getrunken, mich heute mit ſaurem Melnicker, oder vielleicht mit bayeriſchem Biere und ſchwarzem Brode begnügen, und vielleicht dürfte ich noch eine Wurſt eſſen, um das Alles leichter hinunter zu bringen!

Die würdigen Herren, denen wir das Leben ver⸗ danken, wirthſchafteten ein Bischen anders in ihren jungen Tagen, oder hätten wir ſonſt ſo viele Schulden auf unſern Gütern he, Walſtein?

Die Welt bleibt ſich, glaube ich, immer ſo ziem⸗ lich gleich, ſprach der Graf lachend.Dann und wann will ſie zwar einen Anlauf zur Tugend nehmen, und affectirt beſſer zu ſein, als früher; allein es will mich bedünken, daß der Unterſchied einzig und allein in der hypokritiſchen Prätenſion liegt. Als ich in die Armee trat, und es iſt ſchon ſo lange, daß es mir kaum noch denkt lautete die Lieblingsphraſe, daß

man die ſtrenge Schule aus den Tagen des alten Fritz

und der Maria Thereſia zum Vorbild nehmen müſſe. Trenck's Panduren, mit ihren in die weiten Stiefeln geſteckten ſcharlachrothen Hoſen, waren damals die höchſte Mode, und ein ächter Soldat war allein daran zu er⸗ kennen, daß er einen bis an die Schultern reichenden Schnurrbart trug, und jeden AugenblickBeim Henker!