—-——-——
249
verloren haben würden. Als er ſich von Hanſerl trennte, um ſeine Reiſe fortzuſetzen, war ſein Herz voller Gefühle, die miteinander im Kampfe lagen: bald gewann die Liebe zur Heimath, bald die Hoffnung künftiger Auszeichnung bei ihm die Oberhand, ſo daß, während die Gefühle der Liebe ihn ſtets rückwärts zo⸗ gen, ſein Ehrgeiz ihn vorwärts trieb.
„Ich hätte ſo glücklich ſein können, wenn ich bei ihnen geblieben wäre,“ dachte er,„und wenn ich auch das Leben eines Bauers mit ſeinen täglich wiederkeh⸗ renden Mühen geführt hätte. Ich würde mir kein grö⸗ ßeres Glück gewünſcht haben, als bei und mit den Mei⸗ nigen zu leben, umgeben von einer Liebe, die uns Alle glücklich machte und uns alle Genüſſe des Reichthums in ſo reichem Maaße erſetzte. Und doch würde in die⸗ ſer Niedrigkeit wieder etwas Unedles gelegen haben— Etwas, was einem Dalton nur übel anſtehen würde. So verſtanden meine Ahnen ihre Stellung nicht— ihre Herzen wurden von keinem ſo niedrigen Ehrgeiz bewegt. Graf Stephan ſelbſt würde wohl um dieſe Stunde noch in eben ſo großer Armuth und in ebenſo niedriger Stellung leben, wie wir, wenn er alſo ge⸗ dacht hätte; und jetzt iſt er Feldmarſchall, mit dem Maria⸗Thereſia⸗Orden auf der Bruſt! und zwar, ohne daß er auch nur einen Freund gehabt hätte, der ihm mit Rath und That beigeſtanden wäre! Wie edel iſt eine Laufbahn, wo das Verdienſt ganz allein und ohne fremde Beihülfe ſich emporarbeitet— wo, ohne das unwürdige Mittel der Gönnerſchaft, ein Feld ehrenvol⸗ len Strebens für Jeden offen und frei daliegt! Welch' edle Gedanken, welch' kühne Entſchlüſſe und Aſpiratio⸗ nen gibt nicht eine ſolche Laufbahn ein! Er ſoll ſich meiner nicht zu ſchämen,— ſoll für das Blut der
Dalton's nicht zu erröthen haben,“ ſprach der Jüng⸗
ling enthuſiaſtiſch; und ſchon ſah er im Geiſte den al⸗ ten Grafen ſeelenvergnügt darüber, daß er einen ihres Namens ſo würdigen Neffen gefunden, und ſchon malte


