Teil eines Werkes 
Bändchen 1-3 (1850)
Entstehung
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Poſtbüreau, um das ſich jeden Morgen eine ungeduldige und ſich drängende Menge zu ſammeln gewohnt war, war jetzt geſchloſſen, nur noch eine kleine Oeffnung war zu bemerken, gleichſam, um anzudeuten, wie wenig mehr von all' dem maſſenhaften Briefwechſel übrig ge⸗ blieben. Das Hotel de Russie war das einzige Haus, das in dem Städtchen offen war; wenn man aber auch die halboffene Thüre gewahrte, ſo konnte doch kein ge⸗ ſchäftiges Gedränge von Kellnern, undeſ konnten doch keine Lampen in dem Reiſenden den auben erwecken, daß ihn dort eine gaſtfreundliche Aufnahme erwarten würde. Ein flüchtiger Blick nach Innen würde indeſſen jede derartige Illuſion bald verſcheucht haben, wenn eine ſolche überhaupt hätte vorhanden ſein koͤnnen. Die große Treppe, die früher mit Pomeranzenbäumen und Camellia's beſetzt war, war jetzt all' ihres glänzenden Blätterſchmuckes entblößt; die marmornen Statuen waren entfernt, der große Thermometer, deſſen kryſtallene Verzierungen den Blick mancher Vorübergehenden für einen Augenblick auf ſich gezogen hatten, war jetzt von einem hoͤlzernen Gehäuſe umgeben, als wenn er in ſeiner Geſchwätzigkeit unan⸗ genehme Wahrheiten enthüllen könnte, ſo lange er den Blicken der Neugierigen ausgeſetzt bliebe.

Der geräumige Saal, worin täglich ſich an die achtzig Gäſte verſammelten, war aller ſeiner Möbeln, Spiegel und Candelabern baar; die Bronzefiguren und die Gemälde waren verſchwunden, und Nichts war dage⸗ blieben, als ein ungeheurer irdener Ofen, innerhalb deſſen Gitterwerk ein verwelkter Blumen⸗Strauß, der noch vom Sommer her dort lag, alle etwaigen Gedanken an ein Feuer niederſchlug.

In dieſem unbehaglichen Zimmer ergingen ſich jetzt drei Perſonen mit jenem geſchwinden Schritte und jener lebhaften Bewegung, die anzeigen, daß man durch das Gehen ſich zu erwärmen ſucht; denn ſo troſtlos es auch im Hauſe ausſah, ſo mußte man ſich doch noch glücklich