. 370
ich jede Einmiſchung von meiner Seite für unklug, wo nicht für ungebührlich halten— Lord Callonby lächelte ein wenig und erwiederte: 2
„Sie haben ganz recht, Lorrequer, auch ich bin durchaus gegen jeden Zwang, wenn nur keine großen Hinderniſſe im Wege ſtehen; aber hier, wo alle Ele⸗ mente der Ungleichheit ſtattfinden, Verſchiedenheit der Religion, des Vaterlandes, der Sprache und Gewohn⸗ heiten, da iſt nicht an die Sache zu denken.“
Ich argwöhnte, Se. Lordſchaft leſe in meiner theilweiſen Vertheidigung Kilkees einen leichten Ver⸗ ſuch, meine eigene Sache zu verfechten, und dieſe Ent⸗ deckung machte mich über alle Maßen verworren und verlegen. 4
„Wir werden übrigens zu alldem noch Zeit genug haben; jetzt erzählen Sie mir etwas von meinem alten Freund Sir Guy; wie ſieht er aus?“ 3
„Ich bin leider nicht im Stand, Ihnen Nachricht von ihm zu geben. Ich verließ Paris einen Tag be⸗ vor er daſelbſt eintreffen ſollte.“
„Dann weiß ich alſo noch mehr als Sie; denn in ſeinem Brief, den ich geſtern empfing, ſchreibt er, daß wir ihn nicht vor Dienſtag zu erwarten haben.“
„Ihn erwarten— kommt er denn hieher?“
„Ja, ich dachte, Sie wüßten das; er hat uns ſchon lange einen Beſuch verſprochen, und endlich iſt es uns durch inſtändiges Zureden gelungen, ihn über's Waſſer herüber zu bekommen; wenn wir ihn nicht er⸗ warteten, wären wir jetzt ſchon in Florenz.“ 1
Ein Hoffnungsſtrahl zuckte durch mein Herz, als ich zu mir ſelbſt ſagte, was dieſer Beſuch wohl bedeu⸗ ten könnte, aber einen Augenblick darauf wurde es mir ſterbensweh, indem ich fragte, ob mein Vetter Guy auch erwartet werde.
„Freilich, und ich glaube, wir werden ſein bedür⸗ fen,“ ſagte Lord Callonby mit einem höchſt eigenthüm⸗ lichen Lächeln.


