13
nuich jetzt wenigſtens ein paar Stunden auf's Ohr egen.“— „Sie hätten übrigens dieſe Lügen auch gar nicht nöthig,“ meinte ich;„denn wo ſich ſo viel Neues vor⸗ findet, wie eine ſo große Stadt dem zum erſten Mal angekommenen Gaſte darbietet, da könnten Sie, glaube ich, Ihre Einbildungskraft ſchon ein wenig ſchonen.“ „Ach, mein lieber Harry, wie wenig Sie doch vom Leben wiſſen! dieß iſt ein Mann, bei dem das Ver⸗ langen nach dem Außerordentlichen dermaßen überhand genommen hat, daß man ihn mit Wundern vollſtopfen
muß, wenn er nicht Hungers ſterben ſoll, und Sie kön⸗
nen es eben ſo gut verſuchen, einen Tiger mit einer Gangleberpaſtete zu füttern, als ihn mit ver nackten, unüberfirnißten Wabrheit zu befriedigen. Ich kann Ih⸗ nen einen luſtigen Beleg dazu geben; Sie ſahen vor⸗ hin ſein Entzücken, als der Herzog vorüber ritt; was ich jetzt erzähle, iſt die Kehrſeite dieſes Satzes. Vor⸗ geſtern Nacht gingen wir, weil wir nichts Beſſeres zu thun hatten, ins Theater;„die Peruvianerin“ war angekündigt, die man in den letzten zwei Monaten fort⸗ während bei vollgedräogten Häuſern aufgeführt hatte, um einige nordamerikaniſche Indianer zur Schau zu ſtellen, die ein Theaterſpekulant, mit allen Schauerlich⸗ keiten von Pelzwerk, Wampum und gelbem Ocker, expreß mitgebracht hatte. Die Comödie war mir etwas unin⸗ tereſſant; ich lehnte mich daher in meine Loge zurück und verſank in einen gelinden Schlummer. Mittler⸗ weile verließ mein wißbegieriger Freund, Mr. Burke, der bei allem einen unwiderſtehlichen, natürlichen Drang in ſich verſpürt, den Sachen auf den Grund zu kom⸗ men, ſeinen Platz, um über das Stück ſelbſt, das Pub⸗ likum und vor Allem über die Aechtheit der Indianer, die ihn in gewaltiges Staunen verſetzten, Erkundigun⸗ gen einzuziehen. 3
„Nun begab es ſich, daß etwa vierzehn Tage vor⸗
her dieſe intereſſanten Individuen von einer heftigen,
3


