Teil eines Werkes 
1. bis 4. Theil (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

um Viertel auf ſieben Uhr abgeholt, um Desdemona einzuſchnüren. Erſchrick nicht, geneigter Leſer meine ſchöne Desdemona ſie, die an eines Kaiſers Seite hätte liegen und ihm gebieten dürfen war Niemand anders als der älteſte Lieutenant des Regiments und ein ebenſo großer Verehrer des luſtigen Gottes wie der ehrliche Caſſio ſelbſt. Doch ich muß eilen und kann mich nicht dabei aufhalten, unſere Erfolge im Detail zu berichten. Es genüge die Nachricht, daß ich mit allgemeiner Uebereinſtimmung dem Kean vorgezogen wurde, und der einzige Fehler, den der tadelſüchtigſte Beobachter an Desdemona's Spiel finden konnte, war eine etwas undamenhafte Vorneigung für den Schnupf⸗ tabak. Inzwiſchen wurden kleine Verſtöße bei unſerer Vorſtellung ſchnell vergeſſen, als das Souper begann und der Champagner zu fließen anfing. Hier führte ich den Vorfitz an der Tafel; und im Coſtüm des edlen Mohren brachte ich Toaſte aus, hielt Reden, ſprach Worte des Dankes und ſang Lieder, bis ich mit Othello ſelbſt hätte ausrufen können:Das Chaos war wieder gekommen; und ich glaube, wenn ich dieſe Nacht meine Barake glücklich erreichte, ſo verdankte ich dies vorzüglich der freundlichen Beihülfe Desdemona's, die mich den größern Theil des Wegs auf ihrem Rücken trug.

Die erſten wachen Gedanken deſſen, der die Nacht über des Guten zuviel gethan hat, gehören nicht zu den wonevollſten des Lebens, und ſicherlich wird das Vergnügen nicht ſonderlich erhöht durch das Bewußt⸗ ſein, daß er zur Erfüllung von Pflichten berufen wird, bei welchen ein fieberhafter Puls und pochende Schläfe ganz und gar nichts taugen. Mein Schlummer wurde am Morgen nach der Vorſtellung plötzlich unterbrochen durch ein Trommelgewirbel unter meinem Fenſter. Io ſprang haſtig aus dem Bette, ſchaute hinaus und er⸗ blickte zu meinem Entſetzen das ganze Regiment unter den Waffen. Es war dies wiederum eines der Mor⸗

Bekenntniſſe Lorrequers. I. 3