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Lessing's Emilia Galotti : ein Trauerspiel in fünf Aufzügen
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Wollten Sie mir daraus ein Verbrechen machen, Marinelli?

Mar. Ich? Ol vermengen Sie mich ja nicht, mein Prinz, mit der Närrin, deren Wort ich führe, aus Mitleid führe. Denn geſtern, wahrlich, hat ſie mich ſonderbar gerühret. Sie wollte von ihrer Angelegenheit mit Ihnen gar nicht ſprechen. Sie wollte ſich ganz gelaſſen und kalt ſtellen. Aber mit⸗ ten in dem gleichgültigſten Geſpräche, entfuhr ihr Eine Wendung, Eine Beziehung über die andere, die ihr gefoltertes Herz verrieth. Mit dem luſtigſten Weſen ſagte ſie die melancholiſchſten Dinge: und wiederum die lächerlichſten Poſſen mit der allertraurigſten Miene. Sie hat zu den Büchern ihre Zuflucht genommen; und ich fürchte, die werden ihr den Reſt geben.

Prinz. So wie ſie ihrem armen Verſtande auch den erſten Stoß gegeben. Aber was mich vornehm⸗ lich mit von ihr entfernt hat, das wollen Sie doch nicht brauchen, Marinelli, mich wieder zu ihr zurück zu bringen? Wenn ſie aus Liebe närriſch wird, ſo wäre ſie es, früher oder ſpäter, auch ohne Liebe ge⸗ worden. Und nun, genug von ihr. Von etwas an⸗ derm! Geht denn gar nichts vor in der Stadt?

Mar. So gut, wie gar nichts. Denn daß die Verbindung des Grafen Appaini heute vollzogen wird, ſſt nicht viel mehr, als gar nichts. 5 Prinz. Des Grafen Appiani? und mit wem vein Ich ſoll ja noch hören, das er verſpro⸗ ſt.

hhen iſt. Mar. Die Sache iſt ſehr geheim gehalten wor⸗