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Lessing's Emilia Galotti : ein Trauerspiel in fünf Aufzügen
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vor ſie geſeſſen, hat ihr abweſender Vater bekommen.

Aber dieſe Kopie

Prinz der ſich ſchnell gegen ihn kehret.) Nun Conti? iſt doch nicht ſchon verſagt?

Conti. Iſt für Sie, Prinz; wenn Sie Ge⸗ ſchmack daran finden.

Prinz. Geſchmack!(lächelnd) Dieſes Ihr Stu⸗

dium der weiblichen Schönheit, Conti, wie könnt'

ich beſſer thun, als es auch zu dem meinigen zu machen? Dort, jenes Porträt nehmen Sie nur wie⸗ der mit, einen Rahmen darum zu beſtellen.

Conti. Wohl!

Prinz. So ſchön, ſo reich, als ihn der Schni⸗ tzer nur machen ann. Es ſoll in der Gallerie auf⸗ geſtellet werden. Aber dieſes bleibt hier. Mit einem Studio macht man ſo viel Umſtände nicht: auch läßt man das nicht aufhängen: ſondern hat es gern bei der Hand. Ich danke Ihnen, Conti; ich danke Ihnen recht ſehr. Und wie geſagt; in meinem Ge⸗ biete ſoll die Kunſt nicht nach Brod gehen; bis ich ſelbſt keines habe. Schicken Sie, Conti, zu mei⸗ nem Schatzmeiſter, und laſſen Sie, auf Ihre Quit⸗ tung, für beide Porträtte ſich bezahlen, was Sie wollen. So viel Sie wollen, Conti.

Conti. Sollte ich doch nun bald fürchten, Prinz, daß Sie ſo noch etwas anders belohnen wollen, als die Kunſt.

Prinz. O des eiferſüchtigen Künſtlers! Nicht doch! Hören Sie, Conti; ſo viel Sie wollen. [Conti geht ab.]