Teil eines Werkes 
3. Band (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

158

würde, ein Liebestränklein zu brauen— ihr Schatz iſt ihr untreu geworden und hat von ihr gelaſſen!“

Der Fürſt zuckte zuſammen wie unter einem Dolch⸗ ſtoß.

„Wirklich? Marianka?“ murmelte er.

„Natürlich, wer ſonſt!“ entgegnete Wolf tückiſch. „Die Frau Fürſtin hat das Mädchen über die Maßen lieb, darum ließ ſie mich kommen und redete mir zu, ich ſollte das Tränklein recht tüchtig machen, daß das Mädchen wieder ſeines Lebens froh werden könne. Was wollt' ich machen? Sie bot mir Gold über Gold und hat mir dies da als Handgeld gegeben. Heute noch, ſobald es dunkel wird, ſoll ich das Fläſchchen bringen und ſo habe ich denn zugeſagt.“

„Du haſt recht gethan“, ſagte Porzia dumpf. Die Worte Wolf' hatten wie ein zündender Blitz in die umnachtete Seele geſchlagen: Verderben und Unheil loderten, Tageshelle verbreitend, in wildem Brande empor. Jetzt hatte er gefunden, worüber er ſo lange gebrütet und geſonnen; nun war die furchtbarſte, did vollſtändigſte Rache gefunden, nun war der Schänder ſeiner Ehre verloren, die Treuloſe ſelber ſollte mit eigener Hand das Strafgericht an ihm vollziehen.

„Höre, Burſch“, ſagte er nach kurzem, wortloſem Beſinnen,„Du biſt in meiner Hand. Du haſt mich