Teil eines Werkes 
3. Band (1874)
Entstehung
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ſinnlichen Glanze zu feiern, welcher geeignet iſt, Auge und Ohr des Volkes mit Banden zu feſſeln, an denen es dann nach Gefallen gelenkt und beherrſcht werden kann.

Auch der greiſe Heckenſtaller war unter den Be⸗ tern; er hatte jetzt Muße genug, ſeinen Gedanken nach⸗ zugehen und in der Bibel zu leſen, denn er war in Ruheſtand verſetzt. Neben ihm hatte ſich der ſtämmige Metzgermeiſter Strandhofer aufgepflanzt und hielt den auf ſeinen Stock gehängten Hut wie einen Schirm über ſein ſchweißtriefendes Geſicht, denn die Juliſonne brannte mit aller Gewalt der nahenden Hundstage auf die entblößten Häupter herab. Auch die Haarpuderin

hatte ſich Zeit genommen und den kleinen Kram auf

ein paar Stunden geſchloſſen, um eine ſo beſondere Feier nicht zu verſäumen. Unter der rieſigen Gruppe des Erzengels Michael aber, der den zu ſeinen Füßen ſich windenden Satan mit der Lanze des heiligen Kreuzes durchbohrt, hatte ſich der Kranzelbinder mit Weib und Kind eingefunden, denn die Frau betrieb als

kleinen Nebenverdienſt das Geſchäft einer Kerzlerin; ſie

hatte ein kleines, mit ſpitzen Stacheln beſetztes Eiſenge⸗ ſtell neben ſich aufgerichtet und ein Körbchen mit klei⸗ nen Wachskerzen dabei, die ſie an die Frommen ver⸗ kaufte, dann auf die Spitzen ſteckte und anzündete, zum