246
ſagte der Hofkanzler Sinzendorf, indem er ſich erhob und anſchickte, ſich ſeiner Gewohnheit nach in weit⸗ ſchweifiger Rede zu ergehen; ohne darauf zu achten, hatte Bartenſtein aus ſeinen Papieren ein Schreiben hervorgezogen, das er der Königin übergab.
„Hier die Widerlegung dieſer Möglichkeit“, ſagte er;„es iſt das letzte Schreiben, worin Seine Lordſchaft erklären, daß daſſelbe als ein Ultimatum anzuſehen und er, falls die Annahme nicht erfolge, nicht in der Lage ſei, weitere Vorſchläge zu vertreten.“
„Welch entſetzliche Lage!“ rief Maria Thereſia. „Soll ich mich denn mit gebundenen Händen ſelbſt überliefern? Bin ich wirklich ſo ohnmächtig, daß ich mir das bieten laſſen muß? Rathen Sie doch, meine Herren Räthe! Wiſſen meine Feldherren und Staats⸗ männer keine Mittel, auf ſolche Zumuthungen durch Aufſtellung eines neuen Heeres zu antworten?“
„Bedenken Majeſtät“, ſagte Harrach,„daß Alles, was irgend aufzubieten war, bereits unter Feldmar⸗ ſchall Neipperg in Schleſien dem Feinde entgegenſteht; bis neue Aushebungen gemacht werden können, ver⸗ gehen Monate.“
„Es fehlt an allem Nöthigen zur Ausrüſtung“, bemerkte Stahremberg;„die Zeughäuſer ſind leer, die Kaſſen erſchöpft—“
b


