Teil eines Werkes 
1. Band (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

218

gewiß auch eine gute Katholikin iſt, ſich meiner ange⸗ nommen hat.

Der Herr iſt nicht katholiſch? ſagte das Mäd⸗ chen, indem ſie ihn verwundert und wie prüfend anſah.

Nein, werthe Jungfer! antwortete er.Ich bin in einem Lande aufgewachſen und erzogen, in welchem alle Bewohner mit wenigen Ausnahmen ſich zur evangeliſchen Lehre bekennen. Die Gebräuche Ihrer Religion ſind mir faſt gänzlich fremd, und über dem Ungewohnten, das ich ſah und hörte, vergaß ich ganz, daß mein Betragen auffallen oder gar mißdeutet werden könnte. Ich weiß nicht, was ich darum gäbe, wenn das nicht geſchehen wäre, aber nun, da es ſich ſo glücklich gewendet, bin ich dem unſeligen Vorfall dankbar, weil er mir Gelegenheit verſchafft, die Jungfer zu ſehen und zu ſprechen und ihr die Unart abzubitten, die ich ihr angethan, als ich ſie vorhin am Fenſter ihres Hauſes bemerkt hatte.

Das Mädchen ſchlug erröthend die Augen nieder. Wenn's der Herr nur einſieht, ſagte ſie leiſe;ſchön war's gewiß nicht von ihm, ich bin auch recht ärger⸗ lich geworden über den Herrn.

Die Jungfer hatte dazu auch vollkommen Recht, rief er entgegen.Und doch verdiente ich Ihren Un⸗

1