ein Vogel im Käfig, daß ich kaum zum Fenſter hin⸗ aus und über den Gartenzaun ſchauen darf. Deshalb hatt' ich mich ſo darauf gefreut, daß der Vetter gerade jetzt auf ein paar Tage verreiſen mußte und mich bei Euch aufzuheben gegeben hat; ich habe davon gehört, daß die Magdalenenkapelle eingeweiht werden ſoll, und möchte gar zu gern ſehen und wiſſen, wie die großen Herren und die vornehmen Leut' Kirchweih halten.“
Das Geſicht des Alten war bei jedem Worte freundlicher geworden; als ſie endete, vermochte er das Lachen nicht zurückzuhalten.„Biſt halt ein närriſch Ding, Kordel“, ſagte er,„aber man kann Dir auf die Läng' nicht böſe ſein! Ich glaub' wahrhaftig, das Mädel bildet ſich ein, der Kurfürſt und die allerhöch⸗ ſten Herrſchaften ſpringen beim Dudelſack herum wie die Bauern! Da geht's ganz ſtill her! Die Kapelle,
das weißt Du ja, iſt ſchon lang' angefangen geweſen,
noch vom Kurfürſt Max Emanuel ſelig, er hat's aber nimmer erlebt, daß ſie fertig geworden iſt. Drum hat ſie unſer jetziger Kurfürſt ausgebaut und hat ſie heut' einweihen laſſen, weil gerade ſein Herr Bruder, der Kurfürſt von Köln, nach München gekommen iſt und weil man dem eine Ehr' hat anthun wollen. So iſt denn heut' früh, wie Du noch nicht da warſt, die kirchliche Ceremonie geweſen; der Herr von Köln hat


