die goͤttliche Vorſehung in den anſcheinenden Zufaͤllen des menſchlichen Lebens. Wie ein geſchickter Tonkuͤnſtler tauſen⸗ derlei Toͤne, ja mit unter ſelbſt Mißlaute, zu einem wohllau⸗ tenden Ganzen zu vereinigen weiß, ſo fuͤgt die goͤttliche Allmacht und Weisheit tauſenderlei, theils angenehme, theils unange⸗ nehme Ereigniſſe unſers Lebens zu einem wohl uͤbereinſtim⸗ menden Ganzen zuſammen. Noͤchten wir unſer Leben in dieſer Hinſicht oͤfter aufmerkſam uͤberdenken— wie oft wuͤrden wir Anlaß ſinden, Gott fuͤr ſeine weiſen und liebreichen An⸗ ordnungen mit frohem Herzen zu loben und zu preſien!“ Alle gaben ihm Beifall; der Herzog aber ergriff ietzt feierlich den goldenen Pokal, ſtand auf und rief:„Auf das Wohl des Kaiſers!“ Alle— der Abt, die Ritter, die Edelknechte, Frauen und Fraͤulein erhoben ſich ehrerbietig, wiederholten den Aufruf mit lauter Stimme und tranken. Hierauf ſtellte der Herzog den goldenen Becher auf die Tafel, wandte ſich zu Roſa und ſprach: In dieſem feierlichen Augenblick entledige ich mich der Botſchaft des Kaiſers an Euch, mein theures Fraͤulein! Mit hohem Wohlgefallen hat der Kaiſer Eure große Liebe zu Eurem Vater vernommen, die uns nach gluͤcklich beendigtem auswaͤrtigen Krie⸗ ge— eine einheimiſche blutige Fehde erſparte. Er beſchloß daher in ſeiner Weisheit, was ich Euch, werthes Fraͤulein, Eurem gelleb⸗ ten Vater und allen Anweſenden kund und zu wiſſen machen werde.“ Der Herzog winkte einem der Ritter, die mit ihm gekom⸗ men waren. Dieſer brachte einen großen, mit vilen Verzierungen auf Pergament geſchriebenen Brief, der mit rothem Sammet um⸗ ſchlagen war, und an dem an ſeidenen, mit Gold durchfloch⸗ tenen Schnuͤren ein großes kaiſerliches Siegel in einer Kapſel von Elfenbein herabhieng. Der Herzog uͤherreichte den Brief dem erſtaunten Fraͤulein und ſprach:„Mein verehrtes Fraͤulein! da Euer Vater keinen Sohn hat, und Tannenburg, als ein Manns⸗ lehen, nebſt allen Guͤtern an den Kaiſer und das Reich zu⸗ ruͤckfallen wuͤrde, Ihr aber dem Kaiſer und dem Reiche groͤ⸗ ßere Dienſte geleiſtet habt, als es vielleicht zehn Soͤhne haͤtten thun koͤnnen, ſo wird, wie dieſer Bief ausfuͤhrlicher ſagt, dieſes Lehen von dem Kaiſer und den Fuͤrſten des Neichs Euch uͤbertragen. Ihr koͤnnet nun aus den edelſten Ritterſoͤhnen
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