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Rosa von Tannenburg : eine Geschichte des Alterthums für Aeltern und Kindern /erzählt von dem Verfasser der Genovesa
Entstehung
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noch nicht bekannt waren. Sie fragte nach dieſem oder jenem Umſtande aus der Geſchichte ſeiner ritterlichen Thaten. Sie beredete ihn, den ſilbernen Becher, den er noch vom Ahn⸗ herrn, dem Vater ihrer Mutter, zum Geſchenke bekommen hatte, wenigſtens dem Ahnherrn zu lieb, noch einmal fuͤllen zu laſſen. Der Ritter kam unbemerkt ins Geſpraͤch, ſein Miß⸗ muth verſchwand. Viele Stunden des traurigen Winters ver⸗ giengen ihm wie Augenblicke. In den erſten Tagen des Fruͤhlings kam ein ſehr edler Ritter auf Edelberts Burg an, und forderte ihn auf, mit dem Herzog wieder zu Felde zu ziehen. Edelbert fuͤhlte zu ſei⸗ ner großen Betruͤbniß ſeinen Arm noch zu ſchwach, Schwert und Lanze zu fuͤhren. Indeß berief er ſogleich ſeine Dienſt⸗ leute auf ſeine Burg, ſie dem Herzog zu Huͤlfe zu ſchicken. Er bewirthete ſie drei Tage. An dem Morgen des vierten Ta⸗ ges, der zum Aufbruche beſtimmt war, verſammelte er ſie in dem großen Ritterſaale der Burg. Nitterlich gekleidet und mit ner goldenen Kette geziert, jedoch ohne Harniſch, deſſen eher⸗ Armſchienen ſein wunder Arm noch nicht ertragen konnte, aat er in ihre Mitte, uͤbergab ſie feyerlich der Fuͤhrung des fremden Ritters, und ermunterte ſie zur Tapferkeit und guten Mannszucht.Seyd gegen den Feind tapfer wie ein Loͤwe; gegen den friedlichen Landmann aber ſanft wie ein Lamm 86 ſagte er unter Anderem. Mit Thraͤnen in den Augen ſah er von den Fenſtern der Burg dem Zuge nach, bis derſelbe in dem naͤchſten Walde verſchwand. Vergebens ſuchte er ſich den Tag hindurch aufzuheitern; ſeine ſtille Burg ſchien ihm, nach dem Abzuge ſeiner treuen Kriegsgefaͤhrten, einſam und veroͤ⸗ det. Traurig ſetzte er ſich nach dem Abendeſſen an das Ka⸗ minfeuer. Der Abend war kalt und ſchauerlich. Ein fuͤrch⸗ terlicher Sturm ſauste um die Thuͤrme der Burg, und der Regen ſchlug an die Fenſter der Stube, daß ſie klirrten. Ro⸗ ſa legte mehr Holz an das Feuer, brachte ihrem Vater in dem 883 ſitbernen Becher ſeinen Abendtrunk, ſetzte ſich zu ihm und ſag⸗ erzaͤhle mir doch einmal die Geſchichte des der dich dieſen Nachmittag beſuchte. Ich weiß wohl dgvon. Er wohnte ja ehemals auf unſerer Burg,