blater— ihre Augen ſtarrten— ſie verſchied. vor Jammer ſpea
16
ehre und liebe deinen guten Vater. Ach, er iſt im Kriege immer ſo vielen Gefahren ausgeſetzt. Sollte er einmal ver⸗ wundet nach Hauſe gebracht werden, ſo vertritt meine Stelle bei ihm. Sey ihm einſt in den Tagen des Alters eine liebe⸗ volle Verpflegerin, da ich es nicht ſeyn kann. Bleibe ihm eine gute Dochter— und lebe wohl!“
79 Gott, ſprach ſie noch mit einem frommen Blick zum Himmel, bewahre Du ſie vor dem Boͤſen, und erhalte ſie im Guten! Erhoͤre mein letztes Gebet, das heiſſe Flehen ei⸗ nes Mutterherzen, das jetzt bricht, und laß mich ſie dort im Himmel wieder ſehen!“
Vater und Dochter zerfloßen in Thraͤnen. Die fromme Sterbende fuͤgte die Hand ihres Gemahls und die Hand ihrer
Tochter zuſammen und hielt ſie zwiſchen ihren erklaltenden Haͤnden.„Wir drei, ſagte ſie, waren immer ein Herz und ein Sinn in dieſer Welt, wir werden es mit Gottes Huͤlfe auch
in jener ſeyn. Der Tod kann unſerer Liebe nichts anhaben.
Wir werden in dem Himmel ewig leben und uns ewig lieben.“
Sie blickte ihren Gemahl und ihre Tochter mit der Hei⸗ terkeit eines Engels an. In ihrem Angeſichte ſchimmerten ſchon die Strahlen ihrer nahen Verklaͤrung.„Gott, ſprach ſie, gewaͤhrt mir einen großen Droſt und eine große Freudig⸗ keit in dieſen letzten Augenblicken. Ihm ſey Dank!— O meine Roſa, wie freue ich mich, daß du an mir ſiehſt, wie getroſt und ſelig diejenigen ſterben koͤnnen, die an Gott, an Chriſtus und an das ewige Leben glauben. Chriſtus laͤßt es denjenigen, die an Ihn glauben, nicht an Troſt fehlen; wo ſte ihn gerade am noͤthigſten haben. Ich achte den Tod fůr nichts; ich bin in der Hoffnung des ewigen Lebens ſchon ſelig.“
Sie richtete jetzt ihre Blicke auf ein ſchoͤnes Gemaͤlde des ſterbenden Erloͤſers, das ihr gegenuͤber an der Wand hieng. Sie faltete die Haͤnde und ſagte noch mit leiſer, faſt unver⸗ nehmbarer Stimme:„Wie Du, mein Erloͤſer, deinen Geiſt
in die Haͤnde deines Vaters empfohlen haſt, ſo empfehle ich
meinen Geiſt in deine Haͤnde.“ Sie ſchwieg— ſie wurde Roſa war chlos. Edelbert ſagte ſchluchzend: ſie lebte
—


