29
Gottloſen. Weniger zu loben war es aber, daß er die chriſtliche Liebe zu weit trieb, und, um ſeiner Frau in nichts in den Weg zu treten und hinderlich zu werden, oft ganze Tage lang gar nicht nach Hauſe kam, und damit er dereinſt nicht Gefahr laufe, als zu tugendhaft von ſei⸗ ner Haͤlfte geſchieden zu werden, lieber ihr nachzuahmen ſuchte. Was das Buch von den Pflichten geſagt, daß man fuͤr ſich nicht, wohl aber fuͤr ſeinen Freund ein Unrecht begehen duͤr⸗ fe, befolgte er treulich, und ſo wurde er zu⸗ letzt, um ſeine Jeannette nicht durch ſeinen, all zu reinen Wandel in Schaam aufzuloͤſen, ein liederlicher Patron. Aber anfangs wirklich nur aus Aufopferung, der Geſchmack daran kam erſt ſpaͤter. Denn es iſt die Art der Liederlich⸗ keit, daß der erſte Schritt in derſelben oft an⸗ ekelt, daß ſie aber nach einigen herzhaften Zuͤ⸗ gen aus ihrem Becher ihre Juͤnger ſo an ſich feſſelt, daß ſelbſt der Verweſungs⸗Geruch ſi 8 nicht aus ihrem Zauber aufſchreckt. Daß das Geſchaͤft dabei zuruͤck ging, war natuͤrlich. Frau,


