25 fand. Erbe eines bedeutenden Namens und ei⸗ nes großen Vermoͤgens, konnte er in ſeiner Provinz eine große Rolle ſpielen, und in der That draͤngte ſich auch die vornehme Welt zu ſeinen Geſellſchaften, und machte ſeiner Ge⸗ mahlin den Hof, als ob ſie nicht eine Buͤrge⸗ rin, ſondern eine geborne Prinzeſſin geweſen waͤre. Ihrem Benehmen nach haͤtte ſie uͤbri⸗ gens das letztere ſein koͤnnen, und Alles ſtimmte darin uͤberein, daß ihr Anſtand, ihr feines, zuvorkommendes Weſen nichts zu wuͤnſchen uͤbrig laſſe, wie auch ihr Wandel nicht den ge⸗ ringſten Stoff zum Tadel gebe. Oft aber wird die Tugend mit Mangel an Temperament ver⸗ wechſelt, und vor mancher Verſuchung rettete nur kaltes Blut, was als Strenge der Grund⸗ ſaͤtze geprieſen wurde. Es giebt mehr als Eine Frau, die gefehlt und groͤßere Reinheit des Ge⸗ muͤthes dabei bewahrt hat, als andere, die der Verſuchung widerſtanden. Nicht der Fall macht
die Suͤnde, ſondern die Luſt am Fallen; die
Tugend iſt nicht die Gleichguͤltigkeit gegen das
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