294
Ich habe nun die Polen geſehen; ſie ſind wie der beſiegt, und ich glaube jetzt, ſie werden nie ſiegen, ſie werden zermalmt unter einer großen hiſtoriſchen Combination. Von Zeit zu Zeit wird die Welt verjüngt durch friſche, von aller Kultur unberührte Völker. So kamen einſt die Römer gegen die Griechen auf, die Germanen gegen die Römer. Die aſiatiſchen Slaven haben ihre Zeit noch nicht gefunden, vielleicht finden ſie ſelbige nie, ſie ſcheinen unſchöpferiſch, in der Einzelnheit unbe⸗ gabt; vielleicht bilden ſie doch einſt ein neues gro⸗ ßes Element der Weltgeſchichte. Aber ihre Vor⸗ poſten ſind ſicher verloren, wie es einſt den Van⸗ dalen, den Alanen, ſelbſt den Hauptſtämmen der Gothen ergangen iſt: der Wende, der Obotrite, Wilze, Leche iſt früh zertreten worden, der Böhme und Mähre iſt langſam aufgezehrt in germaniſchem Weſen, der Pole iſt tief angeſteckt von alt⸗ und neueuropäiſchen Verlangniſſen, Ideenrichtungen, er
will ſogar nichts eigenes mehr als einen Namen, er verlangt halb franzöſiſchen, halb ſonſtigen Zu⸗ ſchnitt; deßhalb hat der Pole keine Zukunft, er unterliegt dem eigenthümlichern Rußland. Findet


